VON HÜHNERN UND ALTEN DAMEN: DER POLLERHOF

[Werbung] Wer den Pollerhof betritt, muss sich in aller Regel erst einmal die Augen reiben. Ein Winzerhof soll das sein? Kein Museum? Kein Kunstwerk? Zu faszinierend ist die Ansammlung alter Baumaterialien, von Türzargen, historischen Fenstern, Kacheln und Fliessen, die der Hausherr nicht sammelt, sondern zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Wenn man mit ihm über den Hof geht, entdeckt man alle paar Meter etwas Neues, Außergewöhnliches. 

Und Erwin Poller kann zu jedem Detail die ganze Geschichte erzählen. Woher dieser Türgriff stammt, wo er jene Fliesen von der Wand gestemmt hat, wie er an den Eisenofen aus Prag gekommen ist. Über all den schönen und besonderen Details gerät fast in Vergessenheit, was der Pollerhof eigentlich ist: ein verflixt gutes Weingut. Das schmeckt man bei den Basisweinen, wie an der Spitze des Sortiments. Da thront natürlich ein Weinviertel DAC Reserve. „EXTREM“ nennt ihn der Erwin. Ein wirklicher TOP-Veltliner, ausgebaut im großen Akazienholz, groß, schwer und voluminös im  Glas. Das hat schon in der Jugend diverse Honigtöne, eine cremige Fülle, ist gehalt- und kraftvoll. Ein Wein, der ein langes Leben vor sich.

So schaut er aus: Erwin Poller
Der Pollerhof liegt im westlichen Weinviertel, südlich von Retz, genau gesagt in Röschitz. Die Lagen rund um den kleinen Ort sind ein echtes Geschenk für jeden Winzer, denn sie bieten die Möglichkeit, die Reben auf sehr unterschiedlichen Böden zu pflanzen. Lössboden, Granitboden und Sandbänke vom Eggenburger Urmeer haben alle unterschiedliche Einflüsse auf die Weine. Der Riesling, der seit einigen Jahren auf den kargen, steinigen Böden der Riede Königsberg steht, wird besonders straff und mineralisch. Aber es sind nicht nur die Böden, die einen Einfluss auf die Weine vom Pollerhof haben. In einem Pilotprojekt hat Erwin Poller Hühner in den gleichnamigen Weingarten angesiedelt, Hühner aus Massenhaltung, echte Hybridhühner, die auf der Schlachtbank geendet wären.

Schön liegt es da: Röschitz
         
Jetzt freilaufend in den Weingärten im Boden scharrend, nach Würmern und Keimlingen suchend, mit ihrem Mist den Boden düngend. Das Ergebnis ist der „Grüner Veltliner Hühnergarten“, ein straffer, würzig-rassiger Wein. Deutlich zu spüren der Einfluss des Granitbodens, man schmeckt grüne Nüsse, Reinecloden, unterlegt mit präsenter Säure. Das ist herzhaft und hat doch eine gewisse Fülle.
Noch ein Beispiel für die anderen Weine vom Herrn Poller gefällig? Bitte sehr: „Frau Mayer“ heißt er, ist ein Grüner Veltliner und über sechzig Jahre alt. Also die Rebstöcke, die diesen Wein ergeben. Gepflegt hat die Rebstöcke all die Jahre die namensgebende Frau Mayer, die bis ins hohe Alter mit Hacke und Eimer in den Rebgarten ging, um ihre Weinstöcke zu pflegen. Irgendwann wurde das für die betagte Dame zu mühsam, sie fragte Erwin ob er nicht die Arbeit übernehmen wolle. Er sagte zu und wurde fortan von der Madame kontrolliert, wann immer er sie auf dem Traktor mit in die Reben nahm. Das Ergebnis dieser Kollaboration: Ein gelbfruchtiger Grüner Veltliner, mit einer Spur Grapefruit, dazu ein Hauch Birne. Aromatisch eher ein wenig ‚dunkel‘, dabei fest und mit würzig mineralischen Unterbau. Ein Wein der Zeit hat und mit ein wenig Flaschenreife an Tiefe und Komplexität zulegt. Frau Mayer hätte keinen Grund auf den Herrn Poller zu schimpfen. 




Wie gesagt: Der Pollerhof ist ein wenig anders, das zeigt sich nicht nur in der Revitalisierung der Weingärten oder an der Renovierung des Kellers. Es ist auch ganz offensichtlich. Die Etikettengestaltung zeigt die ganz eigene Handschrift des Winzers, mit Hühnerfedern auf dem Etikett oder alten Tapeten, die Stückweise auf der Flasche landen. Alles ein wenig anders, alles sehr persönlich und liebevoll. Und ein bißchen so, wie das gesamte Weinviertel. Mehr als nur ‚liab‘.



Termine Weinviertel DAC in Deutschland:
  • Rheingau Gourmet&Wein Festival, 01. bis 03. März 2019
  • ProWein, 16. bis 19. März 2019, Düsseldorf
  • Weinviertel DAC Jahrgangspräsentation, 28. März 2019, München

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