MEHR ALS EIN VIERTEL: BEI DEN WEBERS

[Werbung] Das Weinviertel erinnert mich ein bißchen an meine kurzzeitige Heimat Franken. Versteckte Entdeckungen, eine Landschaft, die abwechslungsreich, aber alles andere als lieblich und zugänglich ist. Daraus folgen immer überraschende Begegnungen. Enttäuscht wird man nie. Aber manchmal wünscht man sich, etwas weniger mühsam an diese verborgenen Schätze zu kommen. Bei meiner Reise ins Weinviertel hatte ich dagegen Unterstützung und was soll ich sagen, ich kam mir vor wie ein Trüffelschwein.
Vier Tage unterwegs, zu Weinbauern, Gastronomen. Raus in die Weingärten, in die Küchen, die Schanigärten und in die Schweineställe. Die Winzer bringen mir die teilweise spröde Landschaft näher, machen den Wechsel zwischen Landwirtschaft und Weinbau verständlich. Auch wenn man die Weinberge teilweise suchen muss - hinter den Hügeln und zwischen den Feldern - im Glas gibt es kein Suchen oder Nachschmecken. Ganz da, fordernd, nie beliebig. Eine Begegnung, die so lebendig ist, dass sie lange nachwirkt, ist die mit Bernadette und Andreas Weber vom Bioweingut Weber. Auch bei den Webers wird gleichermaßen im Weinberg und dem Feld gearbeitet. Zu unserem Treffen kommt Andreas Weber direkt vom Feld, er fährt mit dem Traktor vor.


Kontrastprogramm dann in der Vinothek. Modern, licht, schnörkelos werden hier die Weine präsentiert. Seit 2000 werden die rund 8 Hektar an den Südhängen des Schmidatals biologisch bewirtschaftet. Vor allem die regionaltypischen Sorten wie Grüner Veltliner, Welschriesling, Blauer Portugieser und Zweigelt werden hier angebaut. Andreas Weber, Vater von zwei kleinen Kindern, ist zupackend, ein wahres Energiebündel. Seine Weine sind knackig trocken, alles andere als vordergründig - sie brauchen etwas Zeit auf der Flasche um ihren Reiz zu zeigen. Herkunft, Vergangenheit, regionale Besonderheit auch im Wein - dazu geht Andreas Weber bis zu den Kelten zurück. Denn vor mehr als 2.000 Jahren lebten Kelten am Sandberg, im Weinviertel zwischen Roseldorf und Platt. Zusammen mit benachbarten Winzern bringt er unter dem Namen ‚Keltenwein Sandberg‘ einen sehr eigenständigen Grünen Veltliner auf den Markt. Der Wein hat Schmelz, zur Zeit noch etwas kantig, ist er ein Versprechen für die Zukunft.




Dass er mehr kann als nur Veltliner, zeigt der Welschriesling Selection 2016 mit feiner Cremigkeit, eleganter Würze und mittlerem Körper. Ein Wein, der es perfekt mit fast jedem Essen aufnehmen kann. Und der dazu verleitet, auch mal ein Glas mehr zu trinken. Macht auch nichts. 
Dann wird halt hier übernachtet. Gar kein Problem, die Webers haben einen alten Kellerstöckl, ein Weinbergshäuschen, umgebaut, mit Blick hinaus in die Weinberge. Zwei moderne Apartments gibt es, mit großer Glasfront und aus unbehandelten Naturmaterialien. Aber ohne Ablenkung wie Fernseher oder Radio. 






Hier findet man Stille, nur unterbrochen von markig kreischenden Fasanen, dann wieder absolute Stille. Und ab und zu flitzt ein Feldhase vorbei. Aufstehen geht eigentlich nur, weil es hier das absolut schönste, genussvollste Frühstück gibt. Natürlich biologisch und direkt aus der Umgebung - das holt auch einen Frühstücksmuffel wie mich aus dem Bett. Bernadette Weber ist dafür verantwortlich. Sie kennt in der näheren Umgebung die besten Produzenten - und der Rest wird selbst gepflückt oder eingekocht. So wie die Kräuter für den frischen Tee.


Bei schönem Wetter schnappt man sich das Tablett, setzt sich auf die Holzterrasse vor dem Apartment und sitzt direkt in den Weinbergen. Und will einfach nicht mehr weg.


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