WEINVIERTEL IN DEINEM VIERTEL: CROSSOVER IN SCHWABING


Flasche, Liegestuhl - Regentropfen. Und da heisst es immer, das Leben als Weinjournalist sei ein einziges rauschendes Fest. Es kann ein Fest sein, sicher, und ehrlich gesagt, sind ein paar Tropfen von oben auch kein Grund den Tropfen im Glas nicht mit Genuss zu trinken. Außerdem läuft die Aktion «Weinviertel in Deinem Viertel» noch bis zum Ende des Monats - da wird auch die Sonne nochmal scheinen. 



«Weinviertel in Deinem Viertel» ist nicht nur eine Marketingaktion - es ist in München schon zu einer Art Markenzeichen geworden. Die teilnehmenden Restaurants stellen den charakteristischen orangefarbenen Liegestuhl vor den Eingang, bringen Weinviertel DAC auf die Weinkarte - und die Gäste haben das Vergnügen. Und manchmal entstehen aus dieser Melange hochinteressante Begegnungen. 

Weinkartenspecial: Weinviertel glasweise

Melange trifft es im Fall des «La Bohème» ziemlich genau. Ein französisch inspiriertes Restaurant, im Norden Schwabings, mit österreichischen Weinen und ausladender Steakkarte. Vielleicht liegt diese Lust an der Melange ja auch am Sommelier, Martin Sohl, ein Österreicher, der lange in Wien gearbeitet hat. Da geht einem der Hang zur Melange ins Blut über. Allerdings war das Weinviertel mit seinen Weinen in Wien noch nicht so sein Ding, gibt Martin freimütig zu. Es ist wahrscheinlich wirklich so, dass man erst in der Fremde die Vorzüge der Heimat schätzen lernt, sagt er lachend. Aber mit der Entfernung ist die Zuneigung gewachsen. Aktuell stehen die Weinviertler Winzer Martin Kohl, Leopold Uibel und Johannes Zillinger auf der Karte.  

Multifunktionaler Speisebegleiter: Grüner Veltliner von Martin Kohl

Eine Spezialität im «La Bohéme» sind die „Sharing Menus“. Das ist jeweils ein großer Teller, der viele Aromen, Texturen und Länderküchen miteinander verbindet. Auch eine Art Melange, wenn man es genau nimmt. Auf dem Vorspeisen Sharing Teller lag ein Rindertatar, Avocado gebacken, als Creme und in Natur, Pimentos del padron, Burrata, Tramezzini und getrocknete Tomaten. Alles für sich genommen ein Genuss, in der Kombination aber eine Herausforderung für den begleitenden Wein. Aber zum Glück gibt es ja Grüner Veltliner. Der Weinviertel DAC Ried Pottschalen 2017 hat Struktur, ist erfrischend und knackig, geizt nicht mit Zitrusaromen und hat erfreulicherweise nur 12% Alkohol. Gerade die sogenannten ‚einfachen‘ DAC  - wie der genannte von Martin Kohl - sind mit ihrer unaufdringlichen Art, schöner Frische ohne ein Zuviel an Säure, dem oft genannten „Pfefferl“, die ich eher als Würze bezeichnen würde, universell einsetzbare Speisebegleiter.

Burn that meat: Abflammen am Tisch

Zentrales Element im Menu ist ganz traditionell das Fleisch, da macht das «La Bohéme» keine Ausnahme. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass die veritablen Fleischbrocken geflämmt werden. Frischer Rosmarin und Thymian werden auf das gebratene Fleisch gelegt und mittels Bunsenbrenner abgebrannt. Das Aroma zieht in das Fleisch, eine leichte Röstung an der Oberfläche kommt dazu. Würziges Rind, in Verbindung mit dem Cabernet Sauvignon „Reflexion“ von Zillinger mehr ein ein Viertelstündchen wert. Pflaume und schwarze Johannisbeere in der Nase, mürbes Tannin auf der Zunge und vollreife Feige im Finale. Macht Spass. Auch wenn es kein Weinviertel DAC ist. 



Anm.: Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Culinarium Bavaricum

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