20.05.18

BEST OF GOLD - WEINVERKOSTEN IST POLITISCH!


Wann immer ich erwähne, als Verkoster zur einer Weinprämierung zu fahren, ist mir der blanke Neid der Zuhörer gewiß. Wein probieren und daraus am Ende sogar noch einen bezahlten Job zu machen, gilt gemeinhin als überaus erstrebenswert. Aber wer glaubt, dass es für mich als Verkoster bei Veranstaltungen wie „Best-of-Gold“ nur darum geht, diejenigen Weine zu erschmecken, die als besonders typisch und begehrenswert erscheinen, der irrt. Gewaltig! Weinverkosten ist so viel mehr, als das Bewerten von mäßigen, guten oder sehr guten Weinen. 


Ich bin mir im Klaren darüber, dass meine Ausführungen für einige „Mimimi …“ Kommentare sorgen werden. Stehe ich drüber, soviel vorab. Denn ganz im Ernst: So eine Verkostung kann knallharte Politik sein. Weinpolitik. Auf jeder Verkostung werden Entscheidungen gefällt, die weitreichende Folgen haben können. Eine bestimmte Weinstilistik auf dem Siegertreppchen - vielleicht schon zum zweiten Mal - kann Winzer darin beeinflussen, wie sie selber künftig mit ihren Weinen verfahren wollen. Man orientiert sich am Geschmack der Jury, die, da hochkarätig besetzt, im Idealfall einen Querschnitt des gemein gültigen Geschmacks bildet. Man hat als Verkoster also durchaus eine nicht geringe Verantwortung - und das meine ich, wie gesagt, völlig Ernst.



Ein Beispiel dafür war der ausschliesslich fränkischen Weinen vorbehaltene Wettbewerb «Best-of-Gold». Er wird seit 2004 ausgetragen, bei der 15. Auflage vor genau zwei Wochen, standen 300 Weine zur Verkostung, über 70 Betriebe, in etwa 10% der weinabfüllenden Betriebe Frankens, beteiligten sich. Das spricht für große Resonanz innerhalb Frankens, auch die Reaktionen bei den Gewinnern zeigten überaus deutlich, dass dieser Preis von den Winzern mittlerweile sehr ernst genommen wird. 

Ich wurde der Verkostungsgruppe „Aroma“ zugeordnet, das heißt in Franken vor allem Scheurebe. Von Premium trocken bis in den edelsüssen Bereich stand auf dem Tisch. Der Jahrgang 2016 zeigte sich bei der Scheurebe nicht ganz einfach. Es gab vereinzelte Botrytis, wirklich klare, saubere Frucht hatten nur die wenigsten Weine. Überhaupt sollte das Geschmacksbild der Scheurebe diskutiert werden, es ist etwas indifferent im Moment. Die eine Hälfte der Winzer versucht mit deutlich grasiger Art, von Stachelbeere geprägtem Duft daraus zu machen, eine Art „Sauvignon Blanc“ soll es wohl sein. Die andere Hälfte setzt auf deutliche Restsüsse, die den Wein gerne etwas plump erscheinen lässt. Beides nicht mein Ding, und nebenbei bemerkt, auch nicht das der anderen Verkoster am Tisch. Einhellige Meinung, die sich auch in der Punktevergabe widerspiegelte: Nein, danke. Dabei wäre Scheurebe im Idealfall ein wunderbarer, aromatischer Speisebegleiter, der vor allem mit asiatischer Küche sehr gut harmoniert. 




Das Gegenbeispiel, also die gelungene Interpretation einer Rebsorte, die von vielen als altmodisch und langweilig, vielleicht sogar polarisierend, abgekanzelt wird, konnte einen der begehrten Siegerpokale in Empfang nehmen. Gewürztraminer heisst die Rebsorte, der Wein 2016 Würzburger Stein Gewürztraminer Qualitätswein trocken - Erste Lage. Eine Aromasorte, hier trocken ausgebaut, was leider viel zu selten gemacht wird. Der Wein duftet ganz sauber und nicht parfümiert nach (Tee-)Rosen, ist fein aromatisch, aber nicht laut, hat viel Saft und Zug, ist knochentrocken ohne austrocknend zu sein, mit ganz feiner Bitternote im Abgang - kurzum eine Wonne für die Nase und am Gaumen. Und ein kleines Politikum. Denn wie gesagt: So konsequent trocken und nicht übertrieben parfümiert werden viel zu wenige Aromasorten ausgebaut. Es ist ein Verdienst von Robert Haller und dem Team des Bürgerspitals, diesen Stil zu pflegen damit ein Trendsetter zu sein. Und vielleicht weitere Winzer davon zu überzeugen, diesen gastronomisch interessanten Stil auch stärker zu suchen. 

Und da sage noch einer, Weinverkosten sei nicht politisch.