FAMILIENSACHEN: RARE & FINE TOUR DURCH FRANKEN


Die Franken lassen einmal im Jahr die Kellertüren offen stehen. Also, im übertragenen Sinn. Immer dann, wenn es zur Rare&Fine Tour geht, scheint die Geberlaune fränkischer Winzer keine Grenzen zu kennen. Da werden die feinsten und rarsten Weine - der Name sagt es - aus den Kellerecken geholt, um den Gästen zeigen zu können, wie trefflich gerade auch ältere Weine aus Franken schmecken können. Der interessante Nebeneffekt: In sehr vielen Fällen werden Weine gezeigt, die noch von den Vorfahren gemacht wurden.



Allerbestes Reifepotential: Fränkischer Silvaner
Die Rare & Fine ist eine gute Gelegenheit, um sich über die häufig reibungslose Art des Generationswechsels am Main zu informieren. Das scheint eine Spezialität zu sein, sich weniger zu zoffen und mehr am gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Auch wenn die Herangehensweise unterschiedlich sein mag, das Wissen um Technik und Klima ein anderes ist, das Geschmackbild verständlicherweise auch Trends unterliegt: Im Prinzip sind sich die alten und jungen Leute in den Betrieben darüber einig, wie ihre Weine schmecken sollen. 

Auch eine Familiensache: Geschichtsweinberg im Julius-Echter-Berg

Das zeigt sich besonders deutlich beim Silvaner, der aus fränkischer Sicht der Vektor zwischen Boden und Glas ist. Ein Vektor, der reifen muss, denn in der Jugend schmecken Silvaner, egal von welchem Boden sie kommen, noch relativ ähnlich. Die deutlich schmeckbaren Unterschiede der drei Bodenformationen - Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper - sind in der Jugend oft nur den Eingeweihten wirklich ersichtlich. Mit zunehmender Reife treten die jeweiligen Besonderheiten dann wesentlich deutlicher hervor. Auch deshalb bringt das Würzburger Juliusspital seine Großen Gewächse seit einiger Zeit erst zwei Jahre nach der Lese auf den Markt. Mittlerweile gehen die Überlegungen im Betrieb dahin, sogar auf drei Jahre zu erhöhen, einfach um den Weinen aus dem Julius-Echter-Berg oder dem Würzburger Stein, noch mehr Zeit zur Entfaltung zu geben. Denn wie sagt Hermann Mengler, Fachberater für Kellerwirtschaft und Kellertechnik beim Bezirk Unterfranken und Spiritus Rector der fränkischen Weinszene, so schön: „So ein Wein ist auch nur ein Mensch!“ Und auch der braucht bekanntlich einige Jahre, bis er wirklich zeigen kann, was wirklich in ihm steckt.

Chefin und Mutter: Andrea Wirsching

Eine Erkenntnis, die auch Andrea Wirsching vom gleichnamigen Weingut teilen dürfte. Weniger, weil ihr 2012 Iphöfer Julius-Echter-Berg Riesling GG, den sie am gleichnamigen Berg vorstellte, irgendeine Schwäche zeigte. Im Gegenteil, er präsentierte sich straff, geprägt von den mineralisch-würzigen Tönen des Bodens, dem Keuper. Faszinierende Struktur hat der Wein, ist fest und doch geschmeidig, entwickelt sich langsam am Gaumen. Und zeigt aktuell wohl nur einen Teil seiner wahren Größe. Weine vom Julius-Echter-Berg sind so, weiß die Hausherrin. Oder um es in ihren Worten wiederzugeben: „Manche Weine vom Keuper sind wie meine Töchter mit 16, 17 Jahren. Du erkennst das Potential, aber im Prinzip sind sie ungenießbar.“ Wollen wir hoffen, dass sich die Nachkommen ähnlich positiv wie die Weine entwickeln. 

Die Arbeit der Väter zahlt sich aus: Nobel gereifter Silvaner von Arnold


Dass Potential der Weine vom Berg zeigt sich immer wieder, exemplarisch auch beim 1990 Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner Auslese vom Weingut Johann Arnold, den der Namensgebende „Alt“-Winzer Johann besonders gern präsentiert. Vielleicht weil er sogar im doppelten Sinn „Potential“ hat. Der Wein zeigt heute eine hochelegante Reife ohne jede Müdigkeit, ist cremig, doch dank immer noch vitaler Säure wunderbar trinkfreudig. Das scheint sich herumgesprochen zu haben, aktuell verkauft Arnold seinen 1990er an Privatkunden für knapp unter 200,- €. Die Nachfrage ist da, es gibt also auch ein wirtschaftliches Potential für die Weine aus der Hand der Vorfahren. Wird den aktuellen Betriebschef Johannes Arnold ganz sicher freuen, denn ein paar der begehrten Flaschen liegen noch im Weingut.

Von den Ur-Großvätern gepflanzt, jetzt gekeltert:
Alter fränkischer Satz von Emmerich

Eine Familiensache sind aber nicht nur die Weine und der Ausbau - auch der Anbau kann ein Thema für Generationen sein. Muss auch - schließlich sind alte Reben ein Garant für besonders tiefgründige Weine. Auf dem Weingut Emmerich gibt es einen alten fränkischen Satz, die Reben dürften seit über 100 Jahren an derselben Stelle stehen. Eine Rarität, die über 100-jährigen Silvaner-, Riesling-, Elbling-, Traminer-, und Muskatellerrebstöcke die hier einträchtig vereint stehen, geben einen Wein, der mit seiner Mischung aus Würze und Grip, aus Traminer Aromatik und Silvaner Biss, ein echtes Unikat darstellt. Und 2015 vom Junior des Betriebs erstmals ausgebaut wurde. 600 - 800 Liter kommen pro Jahr aus dem Weinberg, eine Rarität, die zeigt was möglich ist, wenn Generationen übergreifend gedacht und gehandelt wird. Eben: Rare and Fine. 


Hinweis: Zur Reise "Rare & Fine" wurde ich - neben anderen Journalisten - von den fränkischen Winzern eingeladen.

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