HERZPROJEKT: KOCHKUNST VOM KUNSTKOCH


Die Worte ‚Kunst‘ und ‚Kochen‘ sind meiner unmaßgeblichen Meinung nach nicht grundlos alliterarisch miteinander verbunden. Das Kochen ist im besten Fall die habhafteste aller Künste, in der Kunst wird vielerorts im eigenen Saft geköchelt. Viele natürliche und gewollte Verbindungen zwischen ‚Kunst‘ und ‚Kochen‘ also, eine besonders schlüssige lässt sich derzeit in München genießen. Unter dem Titel „Herzprojekt“.



Vincent Fricke vor Schweinschwänzen (Vivi D'Angelo 2017)  

Und es geht weiter mit der elaborierten Erörterung eines Koch-Kunst-Events. Denn der Titel ist mindestens zweideutig, war das gemeinsame Projekt doch eine wirkliche Herzensangelegenheit von Vivi D’Angelo (Fotografin), Anne Uhrlandt (Kuratorin) und Vincent Fricke (Koch). Vor allem Innereien und andere wenig geliebte Stücke vom Tier werden sowohl fotografisch wie auch kulinarisch inszeniert und landen derart veredelt auf Tellern und in Bilderrahmen. An vier Abenden im Oktober und November gibt es im MMA den Genuss für Augen und Gaumen aus 7-Gänge-Menü und Galeriebesuch. Soweit zu den Rahmenbedingungen. Aber was liegt jetzt auf dem Teller? 

Gesottene Kalbszunge | Quinoa | Rote Beete | Meerrettich | Knochenmark

All das, was im aktuellen Küchenkanon keine Stimme hat. Schweineschwänze, Kalbszunge, Hühnerherzen, Rinderkutteln und Lammherzen in allerlei Variationen und Zuständen. Das Menü beginnt mit knusprigen Schweinescharten und Chili-Mayonnaise zum Apero, gefolgt von Schweineschwänzen in Aspik, die sich mit dem hervorragenden Brot der Lokalbäckerei Brotzeit um die Gunst der Esser balgten. Gesottene Kalbszunge auf Quinoa, ein kulinarischer Fußabdruck in Form einer habhaften Schweinsfußbrühe und ein Kuddelmudel genannter Mix aus Leber und Kuttel von Rind folgen. Das ist alles sehr ungewohnt und ungemein vertraut zugleich, Fricke schafft es, dass wenig Geliebte zu verfeinern, ungewohnte Texturen zu verständlichen, Formen und Farben in verständliche Form zu bringen. Auch die mit Filet- und Steak trainierten Gaumen am Tisch zeigen nicht nur Interesse, sondern großen Genuss beim Verzehr der Kochkunst. 

Schweinefußbrühe | Ramen | Soja | Erbsen

Höhepunkt der Kombination des Unvereinbaren ist der Hauptgang. Mit drei Herzen im Mittelpunkt, das vom Lamm gegrillt, das vom Schwein gedünstet und jenes vom Huhn getrocknet und der Muskatnuss gleich über das gesamte Gericht geraspelt. Verbunden durch Kartoffelstampf und Zwiebelrelish, serviert auf einem Schulterblatt vom Rind. Ein Kunstwerk von Gericht, ein Sinnbild der Verbindung von Kunst und Kochen. Und bei allem pädagogischen Hintergrund zum Thema ‚Nose to tail‘ ist es schlichtweg ein Gericht, das Erinnerungen an die Küche der Altvorderen weckt, das im Mund ein Bild von Oma am Herd entstehen lässt.

Dreierlei vom Herz | Kartoffelstampf | Zwiebelrelish

Es wird noch zwei dieser ungewöhnlichen Dinnerabende geben, der Letzte findet am 20.11. um 18:00 h statt. Das Menü wie oben beschrieben kostet 49,- € pro Person, der Genuss der Fotografien von Vivi D’Angelo ist inclusive, die Getränke werden separat berechnet. Mehr Infos zum „Herzprojekt“ sowie zu den weiteren Terminen finden sich auf: https://www.vividangelo.com/food/herzprojekt/

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