29.06.17

VIKTUALIEN UND WEIN: NEUES IN DER GUTEN STUBE


Münchens gute Stube - damit ist weder die, einem Gummiboot nicht unähnliche, Spielstätte des FC Bayern gemeint, noch der von Touristen und Baustellen übersäte Marienplatz. Auch der legendäre Gourmettempel ‚Tantris‘ - dessen 70-er Jahre Einrichtung den Gedanken an eine Stube durchaus nahe legt - ist es nicht. Nein, die gute Stube der Stadt ist der Viktualienmarkt. Und diese Stube wird für die kommende Tage neu eingerichtet unter dem Motto "Viktualien und Wein".


Im allgemeinen achten die Standlbetreiber auf dem Viktualienmarkt wie die Schießhunde darauf, dass ihr einträgliches Geschäft durch keine Externe beeinflusst wird. Seit den 1950er Jahren hat sich der Viktualienmarkt zu einem wahren Feinschmeckermarkt entwickelt, vor allem auch in preislicher Hinsicht. Auf einer Fläche von 22.000 Quadratmetern werden Brot und Blumen, Früchte und Molkereiprodukte, Fisch und Fleisch, Säfte, Kunsthandwerk und sonstige Notwendigkeiten angeboten. Das lockt nach wie vor Touristen an, die Münchner selber nicht mehr ganz so. Schliesslich gibt es neben dem Viktualienmarkt noch jede Menge Stadtteilmärkte und Bauernmärkte. Deren Angebote sind auch nicht schlecht und man muss sich nicht gar so sehr mit den Auswärtigen um die Aufmerksamkeit der Standlleute drängeln.



Da kann ein wenig frischer Wind nach 210 Jahren Viktualienmarkt nicht schaden. Und der kommt in Form von 26 Holzhütten. Sie werden je zur Hälfte von handwerklich arbeitenden Winzern bespielt, zur anderen von eingesessenen Standlbetreibern. Zusammen ergibt das eine kulinarische Mischung vom Feinsten. Das kann ganz gemütlich starten mit einen fränkischen Winzersekt oder einem Silvaner vom Main mit frischer Butterbrezn von der Hofpfisterei. Wem das nicht reicht oder schlicht und einfach zu wenig Kalorien enthält, kann vom Burgenland Standl einen ordentlichen Schluck Zweigelt mitnehmen und den Vesperteller vom Paprikahaus mit Wollschweinschinken und Salami runterspülen. Zum Abschluss würde sich ein Käseteller vom Tölzer Kasladen anbieten, der mit einem Weinviertel DAC Reserve trefflich begleitet wird. Aber das sind nur drei Möglichkeiten. Diverse Metzger, Fischhändler, Suppenküche - sie alle machen mit. Und mit Weinen aus dem Weinviertel, dem Burgenland, Franken, Piemont und Toskana lassen sich da sicher noch einige kulinarisch brauchbare Kombinationen finden. 




Die ganze Veranstaltung ist natürlich erstmal nur ein Testlauf. Immerhin, ein Drei-Tages-Testlauf. Denn wie sollte es anders sein - ein klein wenig fremdeln alteingessene Marktbetreiben und die Marktverwaltung noch mit dieser neuen Form des Marktlebens, wie man im Vorfeld hören konnte. Dabei könnte dieser Markt doch ein wirkliche Bereicherung nach 210 Jahren Markttreiben sein. Und am Ende gefällt es ja den Münchnern ganz gut, ihre gute Stube mal mit neuen Augen und Gaumen zu entdecken. 


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