13.06.17

TRINKFREUDE IN VINHO VERDE: CASA DE VILA NOVA


Es gibt Weingüter, deren Name wie aus einem Groschenroman anmutet. 'Casa de Vila Nova' - sowas kann man sich eigentlich nur ausdenken. Musste Bernardo de Lencastre aber nicht, sein Weingut heisst wirklich so. Schon immer. Jedenfalls seit ein paar hundert Jahren. Aber er ist der erste seiner geschichts- und personenreichen Familie, der die Ländereien systematisch bewirtschaftet und nicht nur als pittoresken Landsitz fürs Wochenende nutzt. 



Heiterer Zeitgenosse: Bernardo de Lencastre

Insgesamt 16 ha sind derzeit bestockt, ein paar Trauben werden in der weitverzweigten Familie zugekauft. Daraus macht er die üblichen Vinho Verde Weine, sortenreinen Loureiro, Avesso oder Alvarinho, der Großteil davon geht in die portugiesische Gastronomie. Dazu passt, dass man hier auf aktuelle Trends setzt - Maischestand, möglichst wenig Restzucker, mineralischer Zug am Gaumen, Würze statt Frucht. Im Ergebnis gibt das sehr süffige, aber nicht banale Speisebegleiter. An Spontangärung trauen sich die Herren aber noch nicht, das feucht-warme Klima mit zapfig kalten Wintern ist eine nicht ganz einfache Herausforderung. Aber sie sind dran, derzeit arbeiten sie mit selektieren Hefen aus der Region. Im Dezember wird ein Großteil der Weine gefüllt, nicht zuletzt um natürliche Kohlensäure zu erhalten. Das ist für Halb-Europa zumindest ungewohnt, gehört für den Portugiesen aber zum Vinho Verde Wein wie Fado zu Portugal. Immerhin wird bei den besseren Weinen kein CO2 mehr dazugegeben. 

Dann mal raus mit den Korken. Vinho Verde Loureiro 2016: Zur immer spürbaren Säure der Weine aus Portugals Norden kommt eine gewisse Cremigkeit, dem Skin Contact sei Dank (über Nacht). Das hat Grip am Gaumen, sogar ein gewisser Körper ist da. Das ist Spasswein mit Anspruch. Und kostet im Handel um 5 Euro. Da kann man nix sagen, würde ich mal sagen.



Der reinsortige Vinho Verde Avesso 2016 hat fast 3 Monate fermentiert nach der Ernte. Auch hier gibt ein wenig Maischestand (4 - 6 Stunden) den gewünschten Grip. Das Ergebnis ist frisch, aromatisch, nicht so intensiv wie der Sauvignon Blanc des Hauses (den braucht niemand wirklich ausser den Touristen am Strand), trotzdem sehr animierend, mit Saft und Würze. Hat spannende Komplexität, im Abgang mit deutlichen Bitternoten, ist für einen Wein dieser Preisklasse ungewöhnlich lang. Guter Wein, interessantes Preis-Spass-Verhältnis. Richtig drollig wird dieser Wein, wenn man ihm ein weiteres Jahr auf der Flasche gibt. Der Avesso 2015 ist ein wenig oxidiert nach Aussage des Önologen, mich erinnert das aromatisch ganz stark an Silvaner (!!). Blind hätte ich gesagt, das ist ein drei Jahre alter Kabinett vom Gipskeuper. Vor allem im Mund, da ist er mineralisch, zupackend, adstringierend. Schwer faszinierend. 

Gereift von erstaunlicher Komplexität:
Avesso Vinho Verde DOC

Vinho Verde 2016 - das ist der beste Vinho Verde des Jahrgangs, jedenfalls nach Aussage des zuständigen Komitees. Gemacht aus Loureiro, Arinto and Avesso. Die gewünschte Kohlensäure ist auch drin, aber mehr für die Optik. Wirklich prickeln tut das eigentlich nicht. So ein kleiner Schaumrand am Glasrand, der soll halt sein. Im Mund ist das kaum zu spüren, sorgt aber für Frische und Trinkfluss. Wichtiger ist mir, da ist am Gaumen wieder der typische Grip des Hauses, das ist wirklich trocken und trotzdem nicht knarzig. Und in Summe deutlich mehr Wein als bei vielen Kollegen in der Region. Ein echter Preisschnapper. Der Wine Enthusiast hat dann die Jahrgänge 2013 und 2014 auch zum „Best Buy“ erklärt, der 2016 ist in Deutschland scheinbar auch schon ausverkauft. Wundert mich nicht. 

Best Buy - wenn man ihn denn bekommt:
Vila Nova Vinho Verde 

Die gereiften Vinho Verde Reserva, die ich auch noch probieren durfte, sind dagegen nicht ganz mein Ding. Da spielt viel neues Holz rein, ein paar oxidative Noten sollen Größe andeuten. Das sucht noch seinen Stil, da hat sich noch keine eigene Stilistik gebildet. Gut, bei 750 Flaschen jährlich und dem dritten Jahrgang überhaupt ist das auch nicht wirklich möglich. Scheint mehr so ein Prestigeding zu sein und wird wahrscheinlich in der angesprochenen weitverzweigten Familie zu Geburtstagen getrunken. 


Aber der eigentliche Erkenntnisgewinn: Weinfreunde, sucht nach den kleinen Vinho Verde Produzenten, da gibt's Entdeckungen zum Sparpreis! Vila Nova ist das beste Beispiel für tolle Spassweine, von denen man eigentlich nie genug im Keller haben kann.

Der Papa besteht auf Pergola:
Reberziehung auf Vila Nova

Keine Kommentare: