28.03.17

RHEINHESSEN IN MÜNCHEN: SETZT BURGUNDER AUF DIE KARTE!


Und? Auch auf der Prowein gewesen? Und auch wieder diesen unfassbaren Überhang an Riesling genossen? Manchmal beschleicht mich der Eindruck, daß ausser Riesling, kein anderer Weisswein mehr angebaut wird in Deutschlands Weinbergen. Ein Eindruck, der sich in den sozialen Medien noch verstärkt, gefühlt jede zweite abgebildete oder beschriebene Flasche Wein enthält Riesling. 


Das ist zwar alles schön und gut, dient ganz sicher der Stärkung des Weinlandes Deutschland und steigert die Preisakzeptanz besonderer Spitzenweine - aber ganz unter uns: Wenn man Wein vor allem als Speisebegleiter versteht, so wie ich, dann ist die Fixierung auf Riesling nicht wirklich hilfreich. Vor allem wenn man ein Faible für die eher traditionelle, europäische Küche hat, ist die Maxime „Riesling, Riesling über alles“ sogar kontraproduktiv. Mit seiner - je nach Stil - fordernden Säurestruktur, der jugendlichen Primärfrucht und der bewußt herausgekitzelten Mineralität, ist Riesling bei Tisch gerne ein wenig bestimmend. Oder um allen Riesling-Jüngern den Wind aus den Segeln zu nehmen: MIR ist er zu dominant.

Da ist es aus meiner Sicht durchaus wohltuend, eine Weinprobe vor Augen zu haben, die sich vornehmlich um die Burgundersorten kümmert. Im Schatten des Riesling lebt es sich nämlich ganz vorzüglich mit Weiß- und Spätburgunder, mit Schwarzriesling und Grauburgunder, mit Auxerrois und Chardonnay.  ich weiss mich da nicht allein, wie der Kollege Herbert Stiglmaier in der SZ schrieb, ist auch in seiner Wahrnehmung der Weissburgunder eine unterschätzte Rebsorte. Und führt als Beleg einige der bekanntesten deutschen Winzer an, die im (Weiss-)burgunder sogar einen „… Türöffner für Weißweine aus unserem Land in der Welt … „ sehen. Das scheinen vor allem die Badener und die Rheinhessen erkannt zu haben, die fast die Hälfte aller Weissburgunder Deutschlands anbauen. Gerade in Rheinhessen hat die Rebsorte kräftig zugelegt: Rund 1.200 ha Anbaufläche sind einfach mal ein Wort. Warme, möglichst tiefgründige und kräftige Böden und trocken-warme Lagen, das mag er, der Weissburgunder. Und Winzer mögen Weissburgunder, weil er keine besonderen Lagenansprüche hat. Ach ja, und Trinker - oder genauer: Geniesser - wie ich mögen Weißburgunder, weil er so hervorragend zum Essen passt. Die frischeren im Stahl ausgebauten Weine passen super zu Meeresfrüchten (Muscheln!!), natürlich Fisch, oder auch kurz gebratenem Kalb- und Schweinefleisch. In Verbindung mit Sahne oder auch länger geschmort sind die im Holz ausgebauten, eher kraftvollen Weißburgunder erste Wahl. Ich habe auch schon meinen Osterbraten vom Lamm oder sogar ein Gulasch vom Weißburgunder begleiten lassen. Ich mag es, dass die Burgunder dezenter im Aroma sind, dass ihr Aroma, das häufig an grüne Nüsse, Apfel, Birne, Quitte oder frische Aprikosen erinnert, in den besten Fällen so schön dezent daher kommt. 

Um die Lust auf den Burgunder, vor allem den Weißen zu wecken, kann man nächste Wochen in München ein Seminar besuchen. Leider nur für Fachleute, aber immerhin. Rheinhessen und seine Burgunder entdecken lohnt sich gerade für die Profis aus der Gastronomie. Mir würde es jedenfalls gefallen, häufiger mal einen Weiß- oder Grauburgunder auf einer Speisekarte zu entdecken. 


Ach ja: Zur Anmeldung für die Veranstaltung, bitte hier klicken

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