19.02.17

DAS RESTAURANT DER ZUKUNFT: WO WIR ESSEN WERDEN


Ich gehe gerne essen. Meine Freunde gehen gerne essen. Alle Menschen die ich kenne, gehen gerne essen. Aber keiner von ihnen - mich eingeschlossen - beschäftigt sich mit der Frage, wie wir MORGEN essen gehen wollen. Wie sollten Restaurants aussehen, wie werden sie funktionieren, wie wird versucht, den ökonomischen und ökologischen Ansprüchen von Morgen gerecht zu werden. Zum Glück gibt es Willy Faber. Er stellt diese Frage sogar öffentlich. 


Modell Eins: Dichtstehenden Bäumen, dazwischen auf halber Höhe ein Wipfelcafé. 
Modell Zwei: Ein grünes Netz, wie ein Nest an die Fassade eines Papp-Hochhauses drapiert.
Modell Drei: Ein verglastes Ufo, das wie ein Pilz auf einem eher fragilen Bein steht. 
Drei Beispiele für das, was Willy Faber sucht. Er sucht Ideen, Spinnereien, Utopien. Ob diese Entwürfe jemals umgesetzt werden - fraglich. Wie sich das Ganze rechnen könnte - erst mal egal. Das ist nicht das eigentliche Ziel des Wettbewerbs „Restaurant der Zukunft“, seit 2004 im 2-Jahres Rhythmus vom ‚Gastronomie Report‘ des Münchner Verlegers und Publizisten Willy Faber ausgerufen. Die aktuellen Entwürfe waren auf der HOGA 2017 in Nürnberg zu sehen. 


Ganz bewusst sucht sich Faber die Teilnehmer nicht aus den Bereichen Gastronomie und Hotellerie aus. Studierende und Auszubildenden aus dem kreativen Bereich sind seine Zielgruppe: Schreiner, Designer, Architekten und Innenarchitekten. „Ich mag Leute haben, die selber gern in die Gastronomie gehen, weil sie was essen und trinken wollen. Und die sollen mir sagen, auf was sie Bock hätten. Wie sie sich vorstellen, wie in der Zukunft ein Lokal ausschauen könnte, wo sie sagen, da hätte ich Bock, da würd' ich gern reingehen.
In der Gastronomie findet ein kontinuierlicher Entwicklungs- und Veränderungsprozess statt, dessen Tempo immer höher wird. Man giert regelrecht nach Impulsen, Anstößen, Trends die länger halten, intensiver sind, und vor allem auch die junge Zielgruppe mitnehmen. Denn der Verbraucher wird immer bequemer, Gastronomen konkurrieren mit Take Away, Lieferservice, Automaten und Convenience Produkten. Homing' heisst der Trend, der Konsument isst wieder häufiger zu Hause, anders als beim Vorgängertrend ‚Cocooning‘ wird das eigene Zuhause zum sozialen Lebensmittelpunkt. Lieferdienste und Kochhäuser bieten dabei Zutaten und Rezepte oder auch gleich den Koch an, der das Essen in den eigenen vier Wänden zubereitet. 



Das jeder Trend einen Gegentrend auslöst ist auch Willy Faber klar, das aktuelle Wettbewerbsthema „Outdoor Gastro“ trägt dem Rechnung. Überraschend waren die Ergebnisse, von 15  Wettbewerbsbeiträgen setzten sich sieben Beiträge mit Regionalität, historischen Gebäuden, also grundsätzlich mit dem Thema Heimat und Geschichte‘ auseinander. Das Siegerbeitrag nahm sich sogar einer sehr schwierigen Frage an: Am Beispiel Reichsparteitagsgelände in Nürnberg zeigt Sebastian Geitner mit seinem Entwurd ‚Graf und Zeppelin’, wie in einem historisch belasteten Umfeld neues (Gastro-) Leben entstehen könnte. 




Viele der Entwürfe sind ziemlich abgefahren, aber wer weiss schon wie sich die Gastro-Szene entwickeln wird. Bestes Beispiel dafür, wie die Entwürfe von der Realität eingeholt werden, ist der Siegerentwurf von 2004 der die Natur ins Lokal holte. Thomas Hirschberger, Gründer des ‚Sausalitos‘, war seiner Zeit dabei, ein neues Lokalkonzept zu entwickeln. Und wollte sofort mit der Siegerin des Wettbewerbs zusammen arbeiten. Der Rest ist Geschichte: Fast jeder kennt die markanten Birkenstämme in den Innenräumen der Burgerkette ‚Hans im Glück‘. Also gar nicht abgefahren. Sondern Trend erkannt, Umsetzung geglückt. 



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