29.11.16

ALLE JAHRE WIEDER: PANETTONE KANN ALLES


Es gibt so Rituale … die in jährlich wachsender Zahl, vor allem Richtung in Jahresende, zunehmen. So Dinge wie Nikolaus, Adventsessen mit Freunden, St. Martin Umzug, Glühweinantrinken, 1. Advent, 2. Advent, ff., - und die jährliche Einladung zum Panettone Dinner. Die nicht ganz unbekannte Firma Bauli lädt mich schon seit 3 Jahren zu einem ‚Lieblingsitaliener‘ ein, der sich dann rund um den Panettone kulinarische Gedanken macht und mir serviert. Und aus dem, gerne mal im Wandschrank vergessenen, süssen Hefegebäck, bisweilen originelle, manchmal auch verwegene Kreationen zaubert.


In diesem Jahr war ich in der Trattoria La Piazza in München-Schwabing. Wie es sich für einen echten Italiener in München gehört, ist mindestens die Hälfte des Personals nicht aus Italien, in unserem Fall war der wirklich herzerfrischende Kellner aus Ungarn, Szabolcs, kurz Szabi, war aufmerksam, höflich und exakt das kleine bißchen frech, daß sich im Trinkgeld so positiv niederschlägt. Erster Pluspunkt. 
Auf uns wartete wie gesagt ein besonderes Bauli-Dinner, trotzdem ging der Blick zur Tageskarte, die vor allem mit viel frischem Fisch glänzte. Prompt fand sich im ersten Gang dann auch ein veritables Meeresgetier auf der Pasta: Ein ganzer Hummer blickte von den Tagliatelle, sorgsam aufgebrochen um sich beim Verzehr nicht zu beschmutzen. Es fanden sich also in diesem Primo: Tagliatelle / Hummer / Avocado / Panettone. 

Oben: Hummer. Unten: Tagliatelle. Dazwischen: Panettone (nicht zu sehen)

Das klingt in der Aufzählung deutlich verwegener, als es in der Realität war. Vor allem weil der Panettone als eine Art Gremolata, zwischen Nudeln und Hummer thronte. Crunchy und mit ein bißchen Süsse brachte er die Süsse des Hummers schön zur Geltung, im sämig-weichen Nudel-Saucengemenge sorgte das Knusprige für Abwechslung. Experiment gelungen, zur privaten Nachahmung empfohlen. Der Panettone-Crunch passt sicher auch sehr gut auf ein Arrosto, also einen Rinderbraten, oder auch zum Wild. Denn das ist - wie ich ganz subjektiv finde - die eigentliche Bestimmung des Panettone. Aufgeschnitten und getoasted oder angeröstet sorgt er Röstaromen, Frische und Süsse an vielen Gerichten.

Perlhuhn mit Panettone, Artischocke und Granatapfel

Ähnlich stimmig war auch der zweite Gang. Das Secondo enthielt: Perlhuhn / Maronen / Artischocke / Polenta / Granatapfel / Panettone. Hier fand ich es vor allem gelungen, wie wirkungsvoll die Süße des Panettone gekontert wurde von der Artischocke, ganz offensichtlich weiß der Koch im La Piazza was er tut. Er erfindet sicher nicht das Spiegelei neu - aber er weiß gekonnt zu kombinieren, dazu kommt handwerkliche Perfektion. Wie die vorbildlich ausgelöste Keule vom Perlhuhn belegte.

Weckt Kindheitserinnerungen: Ofenschlupfer

Natürlich liess mich Szabi nicht vom Tisch, ohne ein Dessert vom Panettone. Also Dolce: Ofenschlupfer. Würde meine geliebte Schwiegermutter sagen zu diesem Überbackenem. Gratiniert kam der kleingewürfelte Panettone aus dem Ofen, nicht ohne vorher in Eiermilch gebadet worden zu sein. Da im Panettone ist ja schon alles drin, Orangeat und Zitronat, Rosinen und Vanille, braucht es ausser besagter Eiermilch nicht viel um ein köstliches, an Kinderzeiten erinnerndes Dessert zu zaubern. Und mir ein seliges Lächeln auf die Lippen. Na gut, vielleicht kam das Lächeln auch vom ausgezeichneten Mandellikör, wer weiss das schon so genau im Rückblick. Auf jeden Fall bin ich jetzt schon gespannt, ob ich auch im nächsten Jahr wieder zur Panettone Entdeckungsreise eingeladen werde.


Keine Kommentare: