22.08.16

SOLIDARISCHE LANDWIRTSCHAFT: DER KÄSE VOM ENGLHORN HOF


Arunda heisst das Prachtstück. Und ‚a Runder‘ ist er auch wirklich, dieser kleine, aromatische Käse mit der typischen Prägung. Er ist aber weit mehr als nur ein Käse, er ist ein Zeichen. Ein Ausdruck der Hoffnung, der Emanzipation, des Respekts und der Wertschätzung.


Der Milchpreis ist mal wieder im Keller. Die Milchbauern drücken ihre Hilflosigkeit mit dem letzten verblieben Mittel aus, dass sie noch zur Verfügung haben und demonstrieren mal wieder. Mal mit mehr, mal mit weniger öffentlichem Interesse. Aber immer ohne nennenswerte Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation. Der Landwirt Alexander Agethle aus dem Obervinschgau in Südtirol steckt mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb in denselben wirtschaftlichen Zwängen, wie seine Kollegen in Oberbayern, Nordhessen oder Holstein. Trotzdem widersteht er dem Versuch der Expansion oder Intensivierung - die von den Bauernverbänden seit Jahrzehnten als Ausweg aus jeglicher Krise angesehen werden und nur immer neue Zwänge geschaffen haben - und arbeitet mit lediglich 12 Milchkühen auf seinem Hof. Mehr will er auch nicht. "Das ist genau die richtige Größe um mich und meine Familie zu ernähren und mich von den Tieren und meinem Produkt, dem Käse, nicht zu entfremden. Das soll auch so bleiben. Ich glaube schon länger nicht mehr an ständiges Wachstum". Der Englhof wird von den Agethles seit über 200 Jahren bewohnt, er umfasst 10 ha, davon 9 ha Grünland und 1 ha Getreide, alles bewirtschaftet im kontrolliert biologischen Anbau. Wenn die Nachfrage steigen sollte, sieht Agethle das als Chance für einen anderen Betrieb. Leben und leben lassen.

Alexander Agethle bei einer Käsepräsentation im Broeding

Auf der Suche nach Wegen den Mitarbeitern und dem Betrieb Freude und Spaß, aber auch ein entsprechendes Einkommen zu garantieren, ist Agethle auf ein paar originelle Ideen gekommen. Er bietet Patenschaften für seine Rinder an, für 500 € wird man Pate eines Tieres. Diese Patenschaft ist in erster Linie eine ideelle Unterstützung des Betriebes und ein Beitrag zur Stärkung der ökologischen Landwirtschaft im oberen Vinschgau. Es Sie gibt eine Urkunde des Tieres, das Patentier kann auf der Alm besucht und natürlich wird auch der Käse, der aus der Milch entsteht die das Rind gibt, verkostet. Den Neubau seiner Käserei hat Agethle durch das Projekt „Crowdfunding Englhörner“ finanziert. 181 Menschen haben sich mit einer Gesamtsumme  von 182.500 € am Projekt beteiligt. Für ein Investment von 500,00 € gab es 110 Englhörner über 10 Jahre, die in Käse umgetauscht wurden. Pro Englhorn gab es 200 Gramm Käse, in Summe also 22 Kilogramm feinsten Rohmilchkäses pro Investment. Inflationsunabhängig über 10 Jahre. Und der Betrieb musste sich für den Bau der Käserei nicht bei einer Bank verschulden. Win-win-Situation nennt man das wohl.

Schweinefilet // Käse // Pfifferlinge

Der Käse vom Englhof ist aber nicht nur als Modell solidarischer Landwirtschaft interessant - er schmeckt ganz einfach saugut. Einer der ersten Paten des Englhof war das Münchner Restaurant Broeding. Ihre Paten-Kuh 'Dorli' geniesst fast schon Kultstatus, der aus ihrer Milch gemachte Käse wird im Restaurant regelmäßig als Käsegang serviert, macht aber auch im gratinierten Filet eine gute Figur. Und der kleine Bruder liegt jetzt bei mir im Kühlschrank, der eingangs erwähnte Arunda. 

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