03.08.16

DRACHENBOOTRENNEN: PADDELNDE GASTRONOMEN AHOI!


Am Eingang wies ein Schild gleich mal auf die Einteilung in drei Klassen hin: Es gibt Paddler, Athleten und Gäste beim jährlichen Drachenbootrennen der Gastronomen. Wer zu welcher Gruppe gehörte, zeigte sich dann auf dem See. 

Grundsätzlich ist Gastronomen ein gewisser Hang zur Selbstkasteiung nicht abzusprechen. Wer sonst wollte zu Zeiten, die der brave Bürger gemeinhin als ‚Freizeit‘ bezeichnet, körperlich anstrengend arbeiten? Wer sonst wollte für derlei Tun auch noch unangemessen gering bezahlt werden, wenn er nicht zumindest dezent masochistisch veranlagt wäre? Eben, Gastronomen und Artverwandte wie Sommeliers, Weinhändler oder Foodjournalisten gehören alle dieser speziellen Gattung von Menschen an, die ohne Wehklagen einen existentiellen Dienst an der Menschheit leisten. Dieser kleine Exkurs in Sachen ‚Wesen des Gastronomen & Co.‘ war aber nötig, um auch nur ansatzweise verstehen zu können, was geschätzte 150 VertreterInnen dieser Spezien dazu brachte, ihren freien Tag - Montag! - mit körperlicher Ertüchtigung - Paddeln! - in artfremder Umgebung - Wasser! - zu verbringen. 

Klassisches Paddlerfrühstück.

Die neunte Auflage der Veranstaltung mit dem geschmeidigen Titel Drachenbootrennen der Gastronomie“ trieb besagtes, buntes und leidensfähiges Völkchen an die Gestade des Starnberger Sees, zum Buchscharner Seewirt. Dort wartete, neben 4 prachtvoll verzierten Drachenbooten, üppige Labsal in Form von fester Nahrung, wie auch flüssiger Stärkung in Form von Wein. Wobei die Stärkung von den kundigeren Teilnehmern schon im Vorfeld eingenommen wurde. Traditionell traf man sich dazu im Münchner Café Mozart, wohl auch, weil die Abfahrt eines Shuttle-Busses in weiser Voraussicht just an diesen Ort gelegt wurde. Inwieweit dort leistungssteigernde Substanzen eingenommen wurden, die über die vom IOC zugelassenen Koffeinmengen hinausgehen, ließ sich nicht juristisch belastbar eruieren. Aber das Doping ist ja ohnehin, durch den ausschliesslich zu missbilligenden Einsatz des amtierenden IOC-Präsidenten Herrn Bach, de facto legalisiert. 

So sehen Sieger aus. 

Mit welchen Sanktionen das gegenseitige Imponiergehabe unter den Gegner im Vorfeld des Wettkampfs zu bedenken ist, konnte auch nicht zeitgerecht geklärt werden. Vor allem die Frage, ob lauthals postulierte Schlauchbooterfahrungen schon in den Bereich der psychologischen Wettkampfführung gehören, liess sich - auch in Ermangelung einer international anerkannten Schiedsstelle - nicht vor Ort beantworten. Die wortreich dargestellte, unbestreitbare Seetüchtigkeit einzelner Athleten, belegt durch die ruhmreiche und ehrenvolle Teilnahme an Drachenbootrennen der Vergangenheit, wäre eine weitere Causa für eine solche Schiedsstelle.  
Im Weiteren verlief die Anreise des paddelnden Personals reibungslos.

So sehen Fast-Sieger aus.

Vor Ort war die Einteilung der Mannschaften eine professionell organisierte Pflichtaufgabe. Wie überhaupt der Ablauf der Veranstaltung vom Ausrichter Jörg Linke und seinem Team sowohl minutiös geplant, wie auch vollkommen reibungslos durchgeführt wurde. Auch da kann sich das IOC eine Scheibe abschneiden! Spiel, Sport, Spannung, Speis und Trank - alles perfekt. (An dieser Stelle noch ein aufrichtiges: Danke!) 

Tafel der Wahrheit. (Zwischenstand)

Womit der eigentliche Kern der Veranstaltung angesprochen werden kann. Die Herausforderung, so ungefähr 14 Mann/ Frau (die Teamstärken variierten) gemeinsam über den See paddeln zu lassen, ist an sich schon keine ganz einfache Aufgabe. Denn neben der notwendigen Harmonie der Paddelbewegung, ist auch die Frage der Kraft eine ganz entscheidende. Das einarmige Reißen in der 200 ml Klasse ist den bayerischen Gastronomen selbstverständlich gegeben. Aber ein Drachenboot mittels Muskelkraft über den Starnberger See zu bewegen, das ist einfach etwas anderes. Vor allem wenn a) der Gegner auf der Nebenbahn mit physischer Präsenz beeindruckt und b) die eigene Muskelkraft mit jedem Rennen geringer wird. Diesen Spagat aus Kraft und Anmut bewältigte das Team „WeinPlaces“ mit selten gesehener Eleganz und wurde verdienter Sieger in einem überraschend ausgeglichenen Teilnehmerfeld. Gratulation!

Verliererteller. (Meiner)

Trotzdem blieben Fragen offen. Etwa nach der Frage der Startbahn. Es gibt da offenbar eine naturwissenschaftlich nicht völlig widerlegbare Korrelation von Startbahn und Ergebnis. Auf Bahn 1 kann man nicht gewinnen - was vom Team Sommelier Union widerlegt wurde - und Bahn 4 ist die Siegerstrecke schlechthin. Trotz mehrmaligem Abfahren des Sees sind mir persönlich keine Auffälligkeiten im Streckenverlauf, keine Strudel, Wasserfälle oder Stromschnellen ins Auge gestochen. Vielleicht sollten die Strecken im Vorfeld der nächstjährigen, dann zehnten, Auflage des Drachenbootrennens abgeschwommen werden. Ein entsprechender Antrag bei der Deutschen Aquanautischen Gesellschaft ist in Vorbereitung.

Doping. (Gemäß IOC)

Ich werde das beobachten. Und bis dahin etwas für die Oberarmmuskulatur tun. Geht ja nicht so weiter. Denn wie heisst es doch so schön: Nach dem Drachenbootrennen ist vor dem Drachenbootrennen. 

Scho schee ...

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