28.09.15

"THE BUTCHER": SCHLACHTERWEIN AUS DEM BURGENLAND



Das mir als altem Fleischesser und Wurstbuch-Autor das Label von "The Butcher" positiv ins Auge springen musste, dürfte klar sein. Ein Schweinsgesicht, mit Schürze und Metzgerbeil bekleidet, auf einem Weinetikett trifft meinen Sinn für grobe Ästhetik und derbe Ironie auf Anhieb. Also her mit der Flasche "Cuvée 2012", Korken raus und überprüfen, was für ein Schweinewein da lauert.

Vollzeit Metzger, Teilzeit Winzer: Johann Schwarz hat viele Jahre lang sein Geld als ‚Fleischhauer‘ verdient, der Wein war nur Nebenerwerb. Aber das an Winzerkollegen  abgelieferte Traubenmaterial war so gut, dass mit Unterstützung des Süßwein-Halbgottes Alois Kracher aus dem Metzger Johann der Winzer Schwarz wurde. Jahrelang bearbeitete der Nebenerwerbswinzer seine 12 Hektar wie Kollege Kracher ihm hiess und lieferte das Ergebnis seiner Mühen brav beim Meister ab. Da man sich aber freundlichschaftlich gesinnt war, beschlossen die beiden Herren, das Metzgertun des Herrn Schwarz ruhen zu lassen und eigene Schwarz-Weine zu vinifizieren. Seitdem ruht das Metzgerbeil und wird nur noch zur Gaudi und für den privaten Verbrauch geschwungen. Ein Verlust für die Zunft der Fleischhauer und Karnivoren - aber ein Gewinn für alle Weinfreunde. Denn der Mann macht keine Faxen, was er sagt und auf Flasche bringt, das meint er auch. Diese klare Direktheit zeigt sich in seinem Händedruck, in seiner imposanten Erscheinung und in seinen Weinen. 


Eine wahre Freude für alle Freunde kraftvoller Gaumenfreuden

Kraft, Geradlinigkeit, Eindruck - das sind Attribute die Johann Schwarz ganz gut kennzeichnen. Wer seine „The Butcher“ Cuvée einmal im Glas hatte, wird sofort verstehen was gemeint ist.Denn „The Butcher Cuvée“, komponiert aus 50% Merlot, 30% Cabernet Sauvignon und 20% Cabernet Franc, ist eine dreifache Freude. Im Glas steht ein dunkler, rubinroter Kraftbolzen. Dunkle Beeren, Brombeere, reife Zwetschge, dazu ein paar Orangenzesten, abgerundet durch eine feine Kräuterwürze. Das ist saftig, kraftvoll, stoffig, aber auch elegant. Und vor allem ziemlich lang. Ein Wein der, wie könnte es auch anders sein, geradezu nach gehaltvoller - fleischiger - Küche schreit. Eher gebraten als geschmort, eher Lamm als Rind. Einfach dem Etikett seinen inspirierenden Lauf lassen. Das wird dann schon. 


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