23.04.15

NACH DER PROWEIN: AUSTRIA CALLING




Wie so viele andere habe ich mir die Füsse auf der ProWein rund gelaufen, habe einen Wein nach dem anderen verkostet, Winzer gesprochen, Kollegen getroffen, in der Düsseldorfer "U-Bahn" (... was für'n Witz ...) einen Verkehrskollaps miterlebt. Also eigentlich genug Programm, um mal ein paar Tage zu entspannen und Wein einfach mal Wein sein zu lassen. Eigentlich ... denn es lockte eine kleine Auswahl österreichischer Winzer aus dem Weinviertel und dem Burgenland nach München. Zum Glück siegte die Lust über den Verstand. Und ich ging hin und staunte.

Natürlich habe ich den jährlichen Wahnsinn ProWein nicht ansatzweise geschafft, vieles was ich mir für die ProWein vorgenommen hatte bleib unprobiert/unbesucht/ungesehen.  Vor allem Österreich habe ich sträflich vernachlässigt. Sträflich auch deshalb, weil typisch 'tu felix austria' wieder mal eine ganze Horde junger Winzer den etablierten Kollegen richtig Dampf macht. Zum Beispiel der junge Leo Uibel. Den ich vor lauter Glückseligkeit gleich dreimal (!) heimgesucht habe an seinem Standerl, so gut haben mir seine Weine gefallen. Mit spitzbübischem Grinsen unter seinem roten Kapperl präsentierte er zum Beispiel seine Fassprobe Grüner Veltliner Weinviertel DAC 'Golem': Schlank in der Nase, ein bisschen Gummi, Staub. Im Mund Süsse und Bauernapfel, trocken, mineralisches Finish. Wäre jetzt schon mit Genuss zu trinken, wenn er denn  zu kaufen wäre. Aber er kommt hoffentlich bald. Schon im Angebot ist der Grüner Veltliner Katzensprung 2013: Saftig, fette Nase, mächtig was zum Kauen und Schlucken im Mund. Vielleicht etwas Alkoholisch, aber ist halt vollreifes Traubenmaterial gewesen. Noch jung - aber in 3 Jahren wird das eine irre Flasche, mit Länge und Potential. Ab Weingut kostet er 15 € - ein mehr als fairer Preis! Grüner Veltliner 'End des Berges' 2013: In der Nase viel schlanker, würzig-floral, erinnert in Anflügen an Gewürztraminer - so als ob 5% davon drin wären. Nix da, sagt Leo, nur alte Rebstöcke. Ganz feiner, geradezu ziselierter Stil. Einer für den Keller, mit Sicherheit.  



Noch so ein junger Bengel mit Zukunft ist Martin Kohl. Sein 'Kohloss' war genau das: Ziemlich groß und dick, fast zuviel Wein für die kleinen Tastinggläser. Aber man könnte ja einen Burgunderkelch wählen. Würde auch stilistisch passen.

Das Weingut Gager aus dem Mittelburgenland ist in Deutschland fast unbekannt und das bei 220.000 Flaschen p.a.. Das scheint in Österreich und der Schweiz allein wegzugehen. Lässt sich nachvollziehen bei den Preisen und Qualitäten. Beispiel Blaufränkisch Mittelburgenland DAC 'Fabian': Erstmal so ein leichtes Brett in der Nase und dann: Schoko, Schoko, Kirsche. Aber im Mund irgendwie erstaunlich schlank dabei ... herbe Tannine zum Ende hin, aber irgendwie angenehm gebaut der Fabi. Und für 9,20 € ab Weingut ein Riesenkauf! Die DAC Reserve hat im Holz gelegen. Ist aber glücklicherweise nicht davon geprägt. Schlank, würzig, eher Rauch als Tabak, Heidelbeere, fast ein wenig verspielt in der Mischung der einzelnen Komponenten- aber mit satter, fester Struktur. Braucht Zeit.
Die Cuvée Quattro: Allein davon machen die Kollegen 60.000 Flaschen pro Jahrgang. Aus den Sorten Cabernet Sauvignon, Blaufränkisch, Zweigelt und Merlot ... Würzig, dank CS, fruchtig dank Merlot, österreichisch dank der beiden anderen Rebsorten. Für einen Burgenländer fast kleinlaut und überraschend elegant im Mund. Das ist ein Tischwein erster Güte! Und da aus meiner Sicht die Speisebegleitung die vornehmste Tugend des Weines ist, ein dickes 'Gefällt mir!' für diesen Roten.

Ein weiteres Weingut, dessen Weine mir immer wieder Freude machen, ist Bauer- Pöltl. Ich mag vor allem die ehrlich Art der Weine, die nie blenden, aber immer blendend dastehen. Der Blaufränkisch Classic 2013 macht auf seine fruchtig, unkomplizierte Art schlicht und ergreifend Spaß. Geht tendenziell mehr auf Länge, als auf Breite. Da fragt man sich als Ex-Italophiler doch: Wer bitte braucht bittere, ausgezehrte, holzparfümierte Chianti, wenn er sowas Reelles zur Pasta trinken kann? Der Domus Petri 2013 ist noch süßer, fruchtiger, insgesamt üppiger als der Classic. Besonders beeindrucken das elegantes Tanningerüst und das feinherbe Finale. Blaufränkisch Hochacker 2013: Die blauen Früchte - Heidelbeere - werden nochmal eleganter. Länge und Struktur nehmen auch zu. Der junge Meister an den Fässern setzt deutlicher als früher auf Harmonie und Eleganz. Bauer-Pöltl muss man wirklich beobachten. Sagichmalso.


Ganz anders, optisch wie stilistisch, und immer noch Österreich par Excellence: Das Weingut Setzer kann mit einer wirklich beeindruckenden Phalanx von Weinen und Auszeichnungen aufwarten. Aber wichtig ist halt im Glas. Also - hab ich einschenken lassen ... den Roter Veltliner Wiener Symphoniker 2014: Schlanke fruchtige Art, feine Mineralik, da spielt ein wenig Mandel mit. Eleganter Terrassenwein, der auch zum sommerlichen Menü (Fisch! Huhn!) eine gute Figur machen wird. Fein! Beim Weinviertel DAC Reserve 8000 ist die Pflanzdichte namensgebend: Rekordverdächtige 8.000 Rebstöcke stehen auf einem Hektar und treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Vergoren wird spontan und siehe das Ergebnis: Eine extraktbetonte Nase, überraschend süß und üppig im Mund, wie ein gepfefferter Pfirsich. Voluminös, lässt an Burgund denken. Der macht alleine aber mal so richtig Freude. In ein paar Jahren ...

So. Da war ich also mal kurz rum im Burgenland und im Weinviertel und dann werde ich beim Heimgehen noch kalt erwischt. Kennt wohl jeder, diesen Moment auf einer Weinmesse, wo dich ein dir völlig unbekannter Winzer überrascht. Hier war es 
Martin Weineck und sein Grüner Veltliner Weinviertel DAC Reserve 2011. Aus Sicht der Österreicher Weintrinker ein uralter und damit untrinkbarer Wein, die Konsumenten wollen nach allem was man so hört, vor allem junge Weine kaufen und trinken. Unter anderen Karl Krauss wird die Erkenntnis zugeschrieben, dass Österreicher und Deutsche nichts so sehr trennt, wie die gemeinsame Sprache. Ich möchte hinzufügen: Nichts trennt Deutsche und Österreicher so sehr, wie die Liebe zu gereiften Weinen. Sollen sie ruhig zwischen Salzburg und Graz dem Jungwein frönen. Und sowas wie diese Flasche mir überlassen. Wow. In der Nase ein leichtes Petrol, viel reife gelbe Frucht, Mango, kurz vor der Überreife. Im Mund Saft und Schmelz, mit Süsse und Kraft. Einer der dich träumen lässt, von einem Huhn und Morcheln und feinen Gemüsen. Und dann soll dieser Riesenspass im Glas gerade mal 12 Euro kosten, weil die Trotteln immer nur das junge Zeugs trinken wollen. Na, wegen mir ...

 

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