04.02.15

GEDANKENSPIELE: VDP TOUR GG 2015



Ich bin mir sicher, es ist schon von vielen gesagt oder gedacht worden. Aber eben noch nicht von jedem, also mir. Mich hat die GG Tour 2015 in München rätselnd zurück gelassen. Das Niveau der vorgestellten 2013 bzw. 2012 Weine war für meinen Geschmack in der Breite klar besser als der Jahrgang 2012/2011. Alles was ich probiert habe, war in sich schlüssiger, runder, logischer, die 'Kanten' der Weine waren da, wo sie für mich hingehören. Vielleicht war es gerade das weitgehend untadelige Gesamtniveau, das mich über die Veranstaltung an sich nachdenken liess.



Gedanke 1: Heymann-Löwenstein ist ein Weingut, dessen Weine ich seit mehr als 15 Jahren kaufe, sammle, trinke: Der Röttgen 2013 ein rauchig-würziger Kraftmeier, der Blaufüsser Lay 2013 feiner, verspielter und süsser, Laubach 2013 am harmonischsten und stoffigsten. Haben sich Reinholds Weine durch den GG Status verändert? Seine denkwürdigsten Weine waren für mich immer seine fruchtüppigen, mit wirklich RZ, wollüstig und fleischig. Reinhard ist ja auch kein Stammgast bei der GG Tour, weil seine Weine eben nicht immer trocken genug waren, um als GG durchzugehen. Prägt das GG also Winzer und damit den Wein? Ist trocken GG wirklich das Richtige für die M-S-R Weine?

Gedanke 2: Dieselbe Frage stellte sich mir fast noch deutlicher beim Karthäuserhof. Der GG Karthäuserhofberg war in 3 Jahrgängen am Start. Der 2009 mit feiner Fruchtsüsse am Rand und mineralisch-satt in der Mitte, aber schon auf dem Zenith. Der 2011 hatte die mollige Süsse verbunden mit lebhafter Säure, die ich an der Mosel erwarte -und liebe! Aber ist das wirklich - rein subjektiv - noch ein trockenes GG? Und wie soll so ein geschmacklicher Balletttänzer gegen die ausgewachsenen Hard-Rock Brummer, etwa aus der Pfalz, bestehen?

Gedanke 3: Und was mache ich erst mit den Kruger-Rumpf Rieslingen, vor allem dem Pittersberg, der ja nach Meinung einiger maßgeblicher Profis der beste trockene Riesling sein soll?  Für meine Zunge ist das ein Weinmacher-Wein, "Musicians-musician" sozusagen. Ein Wein, der vor allem bei den Insidern offene Türen einrennen wird. Ich bilde mir sogar ein, die dem Wein zugeschriebene Größe zu erkennen, ja, das ist sicher und ohne Frage ein exzellenter Wein. Trotzdem nicht meiner. Gerade weil er in allen Parametern überzeugt, weil er Größe, Reichtum und Finesse vereint. ( Wobei ich ehrlich gesagt die Nase ein wenig enttäuschend, weil wenig entwickelt finde) Aber wo sind die rauhen Kanten, die Überraschungen?

Gedanke 4: Dr. Loosen. Ich halte mich gar nicht mit den GGs auf. Denn schließlich gab es hier zwei GGR. Großes Gewächs Reserve vom Prälat umd vom Würzgarten. 24 Monate Hefelager. Was beiden Weinen große Komplexität und aromatische Tiefe verleiht. Und angeblich gibt es noch ein Fuder GGR 'Hommage' in den Loosen'schen Kellern. Ist das jetzt ein Statement, den Sinn oder Unsinn der GG-Klassifikation betreffend? Ist das Satire, demnächst in Flaschen gefüllt? Oder reicht ein simples GG für die Größe mancher Weine nicht mehr aus? Herr Loosen war leider nicht anwesend, die Frage hätte ich ihm gerne gestellt.

Gedanke 5: Warum hat Boris Kranz noch keinen wirklichen Händler in München? Ich finde seine GG sehr typisch, fast einmalig, sie haben Wiedererkennungswert und Klasse. Sein Riesling 2013 ist nicht ganz so feuchtkieselig wie der Vorgänger, dafür von ungewohnter innerer Harmonie. Der Weißburgunder 2013 von der mineralischen Strenge, die Kranz' Kalmit-Weine auszeichnet. Der Spätburgunder 2012 ein kompaktes Kraftei, beinah schmerzhaft streng in seiner Mineralik. Und ein unglaubliches Versprechen für das Jahr 2022. Mal so als Gedanke.


Und wenn wir schon mal in der schönen Pfalz sind: Vor kurzem habe ich auf dem Forster Ungeheuer Riesling GG von Reichsrat von Buhl am Hals eine ins Glas geprägte "1" mit Traube prangen sehen. Soll wohl für Erstes Gewächs stehen. Auf dem Etikett steht dann aber "GG" Großes Gewächs. Zum Glück bin ich wie es scheint nicht der Einzige, der mit diesem GG noch ein wenig fremdelt ...

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