02.11.14

BANDOL: MOURVÈDRE ÜBER ALLES



Das Bandol im Süden Frankreichs ist und bleibt eine relativ unentdeckte Appellation. Soll mir recht sein - bleibt mehr von diesen kraftvollen, einzigartigen, langlebigen und vielschichtigen Weinen für mich und die zwei Handvoll Connaisseure in Deutschland. Allen anderen sei dennoch gesagt: Der Jahrgang 2011 könnte der Beste seit 20 Jahren im Bandol sein, die großen Weine versprechen Reifepotential von 20 Jahren und mehr.  


Drei Tage waren Dirk Lück von der Weinhandlung Weinreich in München und ich im Bandol unterwegs. Mal ganz abgesehen vom großartigen Herbstwetter mit blauem Himmel und Außentemperaturen von 27° Celsius - das Niveau der probierten Weine war aussergewöhnlich hoch. Vor allem der Jahrgang 2011 scheint nach Meinung vieler Winzer ein richtig Guter zu werden. Die großen Weine der Produzenten sind gerade in der Flasche, wir konnten fast alle namhaften Weine probieren. Die aus meiner Sicht wichtigsten und interessantesten Weine habe ich in kurzen Notizen zusammengefasst.

La Bastide Blanche: Die Cuvée Estagnol 2010 überzeugte mit frischer schwarzer Frucht, Tiefe und Harmonie. Eher auf der charmanten Seite, feminin geradezu. Die Cuvée Fontanéou 2011 ist deutlicher strenger, maskuliner. was sicher auch am Jahrgang liegt. Ganz 
deutlicher Rauch in der Nase, sattes, kerniges Tannin. Ein kraftvoller Athlet der auf Langstrecke ausgelegt ist. Der Blanc 2013 aus Clairette und Ugni blanc ist fein mineralisch, schwebt fast auf de Zunge. Keinerlei Schwere oder alkoholischer Ballast. Wird aber gegen den Rieslingwahn keine Chance haben. 





Domaine La Suffrène: Der Blanc 2013 duftet fein nach Blüten und Pfirsich, auch ein wenig Haselnuss. Stabile, frische Säure, etwas Raddicchio im Mund, sehr lang. Gewinnt durch die Lagerung. Wird jeweils im März nach der Ernte gefüllt. Der Rouge 2012 ist schon überraschend zugänglich, klare Kirschnase, deutlich fruchtig, wenig Leder. Im Mund auch Schokonoten, insgesamt aber eher durchschnittlich. Körper und Struktur sind unklar definiert. Im Gegensatz dazu hat der Rouge 2011 richtig Kraft und Volumen, den Duft von  Maraschino Kirschen, im Mund wie ein herbes Mon-Cherie, etwas trockene Tannine. Der Alkohol von 15% ist gerade noch gut eingebunden. Braucht sicher viel Zeit. Les Lauves 2011: Die Größe ist schon in der Nase förmlich zu riechen, da finden sich Trüffel, Gummi, Leder ... das bewegt! Kraft und Eleganz, die Mourvèdre muss vollreif gewesen sein. Massen von Tannin, die aber herrlich rund am Gaumen perlen. Das Ganze ist Knochentrocken mit einem Restzucker von unter einem Gramm. Das muss in den privaten Keller! Les Lauves 2009: Da duftet die Brombeere aus dem Glas, intensiv. Ist jetzt schon gut zu trinken, mit seinen Schokolade und Lakritznoten, wird von 1 - 2 Jahren weiterer Reife aber deutlich profitieren. Ein paar Fassproben des Les Lauves 2013: Der Wein schwankt derzeit zwischen Pfeffer (weiß) und Brombeere, je nach Fass. Cedric Gravier favorisiert derzeit Pfeffer, ist für ihn der typischere Lauves. Endgültig erst zu beurteilen nach der Assemblage.





Domaine du Gros'Noré: Der Inhaber von Gros'Noré, der gute Alain Pascal hat bis 1999 für Pibarnon gearbeitet, seitdem macht er seinen Kram aber leider selber. So um die 65.000 Flaschen macht er von seinen 17 ha, seine Weinberge sind die am Weitesten oben gelegenen in Bandol. Im aktuellen Jahrgang 2014 hat er ein bißchen weniger Ertrag als 2013, aber mit der Qualität ist er zufrieden. Probiert haben wir seinen beiden Roten aus 2011: Rouge 2011: Kirschschoko, präsente Säure, ein sich über die Eleganz definierender Bandol, der so gar nicht zum hemdsärmeligen Alain passen will. Sein bester Wein ist die Cuvée Antoinette 2011: Eine Einzelparzelle die ganz oben am Berg liegt, praktisch zu 100% Mourvèdre, rechtlich natürlich nur 90% ;) ...  In der Nase sind zuerst rote Kirschen,  dazu die typischen Veilchen, im Mund gleichzeitig zart und ruppig, allerfeinste Früchte, rote Beeren, extrem sehnig-muskulöser Körper - dazu ein Tanningerüst, dass der Herr sich erbarme. Bleibt minutenlang im Mund. Unglaubliches Potential. Zum Abschluss noch die Fassproben aus 2013: Da kommt Wunderbares auf uns zu, vor allem viel Finesse, das Spiel aus Frucht und Strenge beherrscht Alain wie wenige Andere. 



Domaines Bunan: Der Moulin des Costes 2011 ist ein moderner, eher gefälliger Vertreter der Bandolweine - soweit das in Bändel mit seiner Hauptrebsorte Mourvèdre überhaupt geht. Der Wein ist sehr dauber gearbeitet, Frucht und Frische stehen klar im Vordergrund. Und mit ausreichender Luftzufuhr ist er jetzt schon sehr schön trinkbar. Für mich ein Einstieg in die Weine des Bandol. Der Château la Rouvière 2011, ein zweites Weingut das zum Besitz der Bunans gehört, ist deutlich strenger und strukturierter. Feste Tannine, muskulös, wie immer braucht er viel Zeit. Gehört für mich zu den Bordeaux-artigsten Weinen der Familie. Moulin des Costes Charriage 2011: Annähernd 100% Mouvèdre, noch schwer vom Holz  geprägt, feine Tannine und regelrecht zarte Frucht. Eleganz, Fülle, lebendige Säure. Lässt Größe erahnen. Wobei auch hier betont klar und sauber und modern interpretiert wird. Ein wirklich großer Wein der seine Bestimmung in der Spitzengastronomie finden dürfte.






Einen kleinen Abstecher haben wir dann auch noch gemacht. Château de Roquefort ist für Münchner ja eigentlich ein Pflichttermin - schliesslich hat Inhaber Raimond de Villeneuve Münchner Wurzeln - seine Mutter ist Münchnerin und lebt ebendort. Der Filius bewirtschaftet das Weingut des Vaters. Zu den Weinen: Der Gueule de Loup 2013: Raimond meint dazu: "Drink it, don't think it!" ... Schöner Zechwein, Himbeere, ist sehr zugänglich. Hat im Hintergrund schon Struktur und Tannin, bleibt aber wunderbar 'vorne'. Mit einer Wurstplatte dazu - ein Traum. Les Mûres 2011: Ein bunter Hund aus Grenache, Carignan, Syrah, Cinsault und Cabernet Sauvignon. Hat deutlich mehr Körper und mehr Saft als der Gueule. Süsse Frucht, und vor allem eine gewisse Eleganz. Erinnert mehr an die Rhône als an die Provence, ist wunderbar balanciert, vor allem die Säure macht ihn attraktiv. Am Anfang der Trinkreife finde ich. Der Rouge No.1 2012: Entstand aus den Trauben von 34 befreundeten Weingütern, da Roquefort bis auf 15 kg (!) einen 
kompletten Hagelschaden hatte. Die Kollegen sprangen ein und gaben von Ihren Trauben ab. Am Ende wurden es 10.000 Flaschen No1. Ist ein tiefdunkler Wein, klares Violett-Rot. In der Nase die kühle Frucht, die Roquefort auszeichnet. Das hat Eleganz und Charme, Länge und Saft. Kann gut noch 1-2 Jahre liegen. La Pourpre 2011: Die Farbe Lila. Noch etwas vom Holz dominiert, im Mund fast ein bißchen Werthers Echte Bonbons. Brombeere, wenn wir von Früchten sprechen wollen. Saftig frische Art, wirkt einfacher als er ist. Braucht definitiv noch Flaschenreife. 



Domaine de Terrebrune: Die absoluten Schläfer unter den Weinen des Bandol. Kein Wunder, dass Robert Parker jr. damit nicht klar kommt und die Weine regelmäßig mit Bewertungen deutlich unter 90 Punkten bedenkt. Aber das kalkhaltige Terroir von Terrebrune lässt ganz andere Weine zu, die sehr abweisend und streng in der Jugend sind und bei den roten Weinen 20 Jahre und mehr 
brauchen um ihre Klasse zu zeigen. Vor allem die weissen Weine von Terrebrune sind kühl, mineralisch, fast streng, reifen aber sehr gut. Reynald Delille hat einen 99er präsentiert, der an Natural- oder Orangewine Experimente erinnert. Die blaue Libelle von Andreas Tscheppe kommt da in den Sinn. Der rote Terrebrune 2011: Hat eine sehr verschlossene Nase, wenig Frucht, medizinal - wenn überhaupt. Auch hier wieder der mineralisch-kantige Stil des Hauses. Das Tannin sehr geschmeidig, aber präsent. Bleibt sehr lang im Mund. Schwierig zu beurteilen. Schläfer - soviel ist sicher. Terrebrune 2009: Schon offener, aber der klar erkennbare Stil bleibt. Der Burgunder unter den Bandol - in der Jugend abweisend verschlossen, gereift zur Grösse auflaufend. Terrebrune 2006: Da ist die ledrig-fleischige Nase die man von einem Bändel gemeinhin erwartet. Im Mund gibt es dennoch sogar Anzeichen von Fruchtsüsse. Aber hinten raus lauern immer noch Mengen kräftigstes Tannin. Nochmal fünf Jahre liegen lassen. Terrebrune 2003: Fängt an Spass zu machen. Immer noch reichlich Tannin, aber auch kühle Frucht - und das in dem Hitzejahr! - Kirschen, etwas Brombeere. Sogar die Farbe wurde heller, am Rand schon erste Brauntöne. Mit Luft jetzt gut zu trinken, wird aber relativ schnell verlieren. Innerhalb der nächsten 2 Jahre. Am ehesten aus einem Burgunderglas trinken. Terrebrune 1990: Yippieh! That's it! Trüffel, Leder (!!), schwarze Schokolade, feine Säure, Mineralisch, lang, großer Wein. Erinnert in seiner Struktur und Eleganz an einen reifen Bordeaux vom linken Ufer. Diesen Genuss erwartet der Chef auch von seinem 2011er. Terrebrune Rosé 2007:  Reifenoten in der Nase, Null primär Aromatik. Schmelz und Reife, Karamellbonbon, süss und laaang ... eine echte Alternative zur Gänseleber. Terrebrune Rosé 1992: Korken defekt, low shoulder ... auch deshalb Petrol in der Nase. Aber das süsse Karamell entschädigt dafür. Komplex und vielschichtig, getrocknete Aprikosen, ein Hauch Sherry-Rancio, wirklich nur ein Hauch. Macht so richtig viel Spass, es fehlte nur was zu Essen ... zum Abschluss noch Terrebrune 2013 Rot, Fassprobe: Sehr viel freundlicher und zugänglicher als seine abgefüllten Brüder. Süss, fruchtbetont, Brombeere, etwas Lakritz. Auch weniger tanninreich. Hat alles, was Terrebrune auszeichnet - nur in andere Gewichtung. Wäre aus dem Fass  heraus sehr schön zu trinken. Die Flaschenabfüllung wird ihm das sicher austreiben.


Domaine de la Tour du BonBandol 2012 Classique: Bisher der schönste 2012er den wir probiert haben. Herrliche schwarze Frucht, saftig, frucht-fleischig, gut integrierte Säure, nicht zu dominante Tannine. Herrlicher Trinkspass! Saint Ferréol 2011: Die satte schwarze Frucht ist da, das ist wie süsser Teer, ganz trockene Lakritze. Eleganter Körper, nicht üppig, eher straff, minutenlang. Macht überhaupt nicht satt oder ermüdend, sondern lockt zum nächsten Schluck. Meditationswein, no food. Sehr großer Wein. Mouvèdre aus der Amphore 2013: 100% Mouvèdre. Feine Früchte, fast schon floral, die sonst ruppigen Tannine der Mourvèdre sind ganz fein, geradezu zart, das ist total elegant, charmant und animierend. Da habe ich nicht einen Tropfen gespuckt. Für Agnès Henry-Hocquard sind die vier Amphoren wie Glocken, die den Wein zum klingen bringen. Das hat sie wirklich hinbekommen. Die Mouvèdre verrät durch diese Amphoren ihre Geheimnisse. Die vier Tonglocken ergeben vielleicht 1.600 Flaschen. Ein Glückspilz, wer davon welche erwischen kann.



Château de Pibarnon: Das war nur eine schnelle Visite, für drei Jahrgänge hat es dennoch gereicht. Der 2010 ist zugänglich, wirklich charmant und fruchtig elegant, ganz dem Stile des Hause in Richtung Bordelais verpflichtet. Der 2011 ist tanninreich, fest, war ja auch wie gesagt ein großes Jahr. Ein vin de garde par excellence. 2012 liegt irgendwie zwischen den beiden Jahrgängen, hat vom einen die Eleganz - aber nicht ganz soviel - vom anderen die Statur - nur etwas kleiner. 



Eine wunderbare Überraschung war der Besuch auf der Domaine Lafran-Veyrolles. So klein die Domaine von aussen auch wirkt - die Weine gehören für mich zu den Großen im Bandol. Der Tradition 2012 ist dicht und schokoladig, etwas Leder, trotzdem keine übermäßige Bombe, mehr der schlanke Typ. Sehr viel ausdrucksstärker ist der Tradition 2011: Wild und fleischig in der Nase, beinahe ungehobelt, aber charmant, kraftvoll und tanninstark. Very Mourvèdre! Dann die Cuvée Spéciale 2012: Stellt sich als feiner, eleganter Jahrgang dar, hier steht die zarte Frucht im Vordergrund. Super lecker ( ... jaja, ich weiss ...), fast schmeichelnd. Reicht aus meiner Sicht an Tour du Bon heran. Cuvée Spéciale 2011: Deutlich maskuliner, Leder, Teer, von den Gerbstoffen zusammengehalten, sonst würde er platzen vor Kraft. Kerniger Bursche der seine Zeit brauchen wird. Cuvée Spéciale 2010: Im Moment der uninteressanteste für mich. Trockene Tannine, wenig Finesse, sicher besser als viele andere Bandol. Hat aber im internen Vergleich derzeit das Nachsehen. Cuvée Spéciale 2009: Nähert sich der ersten Reife, präsentiert schwarze Früchte, Brombeere, die obligaten Veilchen, dazu Leder und Schokolade. Sehniger Körper, muskulös, und doch herrlich frisch. Markante Säure die den Wein prägt und strukturiert. Sehr gut!

Domaine de la Begude: Der Rouge 2012 hat eine sehr frische, leuchtend rote Farbe. Dieser Eindruck setzt sich im Geschmack fort, sehr viel Süsskirsche
, dazu Kräuter. Sehr klar strukturiert, fein und nobel. Der Brulade 2011 ist ein Kracher! Wildleder in der Nase, wunderbare Kirscharomen. Ganz feine Tannine, vielleicht etwas Trocken. Wird aber durch die ganz feine Säure kompensiert. Sehr komplex, dicht gestrickt. Wird eine wunderbare Flasche in 5 Jahren. 






Zusammenfassend: Der Jahrgang 2011 aus dem Bandol wird eine Fülle von wunderbaren Weinen bringen, dass ist für mich sicher. Wobei alle Weine des Jahrgangs Zeit brauchen werden. Für alle die Bandol früher geniessen wollen bleibt der 2010, der deutlich früher die Trinkspassphase erreichen wird. 

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