20.02.14

LISA BUNN: PREMIERE DER OWW (OFFENE WEIN WAND)



Die Offene Wein Wand - OWW - ist eine neue Idee von Gregor Sturm, die er mit seinen Mitstreitern in der Loreley umsetzt. Grundgedanke: Ein Woche lang gibt es drei Weine eines Weinbaubetriebs zum gemeinsamen Probieren und kennenlernen. Für 6 Euro ein unschlagbares Angebot, um sich ein Bild von Wein und WinzerIn machen zu können. Gestartet ist die OWW in dieser Woche (KW 08) mit Lisa Bunn aus Rheinhessen.


Drei Weine stehen also vor mir, der Riesling Fleißiges Lieschen '12, der Weißburgunder vom Löss trocken '13 und Tafelstein Riesling Spätlese lieblich '12. Dazu kommt umfangreiches Infomaterial - die Weinbeschreibung hat Gregor fein säuberlich auf einem Faltblatt zusammengefasst - die Weingutsbeschreibung und die aktuelle Preisliste sind auch da. Also fast wie auf dem Weingut - mit dem Unterschied, dass zur Loreley die U-Bahn fährt und ich in 15 Minuten da bin. Allein das ist ein unschätzbarer Vorteil. Als Münchner ist man von den Weinbaugebieten so unangenehm weit entfernt!




Das hat mir an Information aber noch nicht gereicht. Also habe ich Lisa nach meiner Visite in der Loreley angerufen. Zwischen Abfüllen und Rebschnitt fand sie Zeit auf ein kleines Gespräch. War kein Thema. Was mir bei ihren Weinen sofort auffiel, war die unkomplizierte Trinkbarkeit. Alle drei Weine sind keine Mysterien, sie sind klar, geradlinig. Also ganz offenbar wie die dahinter stehende Winzerin. Klar, sagt Lisa, denn die Weine müssen in erster Linie ihr gefallen, Ausdruck ihrer Person sein. So wie das Fleißige Lieschen. Nach kurzer Anlaufzeit steht da ein wunderbar süffiger Riesling im Glas. Das ist nicht die Neuerfindung der Kokosnuss. Aber der richtige Begleiter in den Abend, der auch nach der zweiten Flasche noch nicht müde macht. Die gelungene Flaschengestaltung (übrigens ein Entwurf Lisas plus Grafikerin) trägt auch dazu bei, dass man sich die Flasche gerne auf den Tisch stellt. Ein primärfruchtiger Riesling mit moderater Säure, trocken (1,5 RZ) und akzeptablem Alkohol (12,5°) Für den Preis (6,50 €) ein sicherer Kauf.




Lisa ist die Herkunft ihrer Weine wichtig, sie setzt auf die Rheinfront, den Roten Hang. Deshalb braucht sie viel Handarbeit, vor allem im Weinberg, um ihre Vorstellungen in die Flasche zu bekommen. Und um das Maximum aus den Trauben zu holen, hohe Maischestandzeiten. Beim Ausbau spielt sie mit den Ausbaumethoden, kombiniert bisweilen bei Guts- und Ortsweinen die Fässer, die mit Spontanvergärung und die, die mit Reinzuchthefen vergärt wurden. Viele kleine Tanks im Keller bieten ihr die Möglichkeit zu spielen, hinterher zu verschneiden.




Beim Weissburgunder aus dem Jahrgang 2013 zeigt sich das im Moment noch nicht perfekt austariert. Der Wein war mir noch zu unruhig, pendelte zwischen Hefenoten und Parfum. Hatte für mich auch ein wenig zuviel Restzucker (7,0 gr) Aber damit soll wahrscheinlich der Säure aus 2013 ein wenig entgegengewirkt werden. Der kommt auf Wiedervorlage, weil er für mich derzeit nicht wirklich einzuschätzen ist. Auch hier fällt der Preis sehr moderat aus, 7,50 € verlangt Lisa für die Flasche mit dem lila Etikett. "Wir haben ein gutes Preis-Genuss-Verhältnis," sagt sie durchaus selbstbewusst  am Telefon. Das stammt sicher noch aus der Zeit, als ihr Vater ab 24 Flaschen direkt ausgeliefert hat, die Kisten in den Keller getragen und auch noch eine Tasse Kaffee mit den Kunden getrunken hat ... bad ol' times. Heute kommen die Weine per Spedition oder Paketversand zu den Kunden. Lisa: "Die Fahrerei war einfach nicht mehr zu handeln - wir sind schließlich Winzer und keine Spediteure."




So, dritter Wein. Es wird richtig süss. Tafelstein Riesling Spätlese 2012 lieblich. Die Farbe gibt deutlich zu verstehen "Hallo, ich war eine reife Traube". Die Daten deuten auch darauf hin ... 10,5° Alk., beachtliche 38 Gramm Restzucker. Nach zwei Wochen wurde die Gärung gestoppt (mit Kälte) Lisa wollte den Restzucker. Wie alle Weine aus der Lagenwein-Linie ist auch der Tafelstein lieblich spontan vergoren. Im Mund dann auch erstmal das klare Signal: Traubensaft! In Zeiten trockener Weine ein selbstbewusstes Statement. Aber durchaus klassisch, mit wenig Alkohol (10,5°) Das ist ein anspruchsvoller Aperitif oder auch Dessertwein. Eine (kräftige) Käseplatte passt. Oder hat jemand irgendwo 'ne Geflügelleber rumliegen ... Lisa sieht gerade ihre Lagenweine als Speisebegleiter. Ihre Flaggschiffe, die Rieslinge Hipping, Oelberg und Orbel kommen im Juni raus. Mal sehen wozu die passen. 
Auf jeden Fall sollte man Lisa im Auge behalten. Rheinhessen ist seit Wittman und Keller oder der "Message in a Bottle" Gruppe, eine Boom-Region in der deutschen Weinlandschaft geworden. Das sieht Lisa ähnlich: "Wittman und Keller sind schon die Benchmark. Das sind Leuchttürme, die den Qualitätsmaßstab nach oben schrauben." Na, dann weiss ich jetzt ja, woran sich Frau Bunn orientiert. Und werde mir das weiterhin anschauen.




Lisa Bunns Weine sind noch bis Samstag in der Loreley zu probieren. In der nächsten Woche wird Franz-Josef Gansberger vom Weingut Stift Göttweig seine Weine in die OWW stellen.


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