25.11.13

SILVANER FORUM 2013: NICHT ALLES WAS GEHT, GEHT AUCH GUT

So sieht also die Trophäe des Silvaner Forums aus: Eine vergoldete Rebschere. Über die Gestaltung dieses Preises liesse sich trefflich streiten. Wie auch über die mit dieser Schere prämierten Weine. Denn ob der Silvaner als Rebsorte alles können muss, vom einfachen Zechwein bis zur überreifen Auslese, ist sicher einen beherzten Streit wert. Beim Silvaner Forum gab es die Gelegenheit (fast) alles zu probieren, was diese autochthone Rebsorte kann. Oder auch nicht ....


Es ist wirklich schwierig. Wenn es in einem Wettbewerb nur um eine Rebsorte geht, ist die Versuchung groß, mal so richtig sämtliche Register zu ziehen. Von furztrocken bis pappig süss, von blutjung bis schwer in Auflösung begriffen: Hauptsache wir haben alles auf dem Radar, was sich aus einer Rebe machen lässt. Ob das der Rebsorte immer gerecht wird, sei einmal dahingestellt. Denn das schmückende Attribut 'autochthon', das auch der Silvaner für sich in Anspruch nimmt, heisst aus meiner Sicht nicht nur, dass sich eine Rebsorte über Jahrhunderte an eine bestimmte Region angepasst hat und besonders charakterstarke und individuelle Trauben hervorbringt. Es heisst für mich auch, dass sich bestimmte Ausbauarten, Weintypen oder Stilrichtungen für diese Rebsorte und Region besonders bewährt haben. Und nicht nur, dass die betreffende Rebsorte schon immer da angebaut wurde. Warum ich das erwähne? Nun, weil der schönen, autochthonen Rebsorte Silvaner mancherlei Leid angetan wird. Doch schön der Reihe nach. 
Nur wer schreibt, bleibt: Notizenzettel
Eine illustre Runde ehrenwerter Herren machte sich im Rahmen des Internationalen Preises des Silvaner Forums (19.11.13 im 'Der Pschorr', München) ans Werk. Im Vorfeld hatten sie 539 Sil- und Syl-vaner verkostet und bewertet. In sechs Kategorien (Basic, Premium, International, Solitär, Gereift, Nobel) wurden diese Weine dann gesteckt und sodann die Besten dem staunenden Publikum präsentiert. Und damit die ganze Veranstaltung auch ein wenig Glanz bekommt, wurde garniert mit ein paar flotten Weinköniginnen. Immerhin acht hatte ich anhand ihrer Krönchen identifiziert. 
Zur Begrüßung wurde dem Besucher gleich mal ein Glas in die Hand gedrückt. Ohne Angabe von Weingut oder Anbaugebiet, immerhin " ... ein Silvaner... " sei das, wurde mitgeteilt. Dieser Kalibrierwein entpuppte sich als ein Juliusspitaler Silvaner. Der mit seiner frischen, mineralischen Art seine Aufgabe hervorragend erledigte. Das sollte auch nicht weiter verwundern, denn das Juliusspital hat nach Ansicht der Juroren auch die beste Kollektion in Sachen Silvaner. Sechs Weine waren in den diversen Kategorien ganz oben dabei, weshalb Horst Kolesch dann auch eine der wunderbaren vergoldeten Scheren überreicht bekam. 
Fränkische Klassik: Karpfen zum Silvaner.
Das passt wirklich zueinander.
Welch Sinnbild. Denn wie sagte der Silvaner Forums Vorsitzende Arthur Steinmann doch so schön: "Der Rebschnitt ist die erste Qualitätsmaßnahme". Ich als Unwissender hätte zwar die Auswahl der richtigen Klone oder die Bodenbearbeitung noch vor den Rebschnitt gesetzt, aber was weiss ich schon. Zurück zum Wein. Der Gewinner in der Kategorie Basic war das Weingut Bruno Bienert als Volkach. Ihr 2012 Silvaner Kabinett trocken, Volkacher Ratsherr, stand wie der Zechwein schlechthin da. Süffig, trocken, mineralisch, gut ausbalancierte Säure. Der Gewinner in der Kategorie Premium (2012 Silvaner Spätlese trocken, Ensheimer Silvaner vom Weingut Schmitt, Spiesheim) kam ein wenig blass daher. Sowohl in der Farbe wie auch im Geruch. Am Ende kitzelte ein kleiner Böckser in der Nase. War nicht so mein Ding. Im Bereich International gab es nur einen Wein zu probieren und auszuzeichnen. Die Eisacktaler Kellerei und ihren 'Sabiona' fand ich ein wenig zu mächtig und alkoholisch. 

Spannender die Kategorie Solitär. 
Nur nichts unversucht lassen: Silvaner Solitäre
Denn das Bild des Silvaners ändert sich, wie von der anwesenden Weinbaukompetenz verkündet. Amphore, Spontanvergärung oder Maischegärung kennen die Silvanerwinzer nämlich auch. Und setzen diese gerade en vogue befindlichen Techniken munter ein. Ob das immer passt, oder gar beherrscht wird, sei einmal dahin gestellt  Aber der AB OVO 2012 von Rainer Sauer war wirklich der intessanteste und für mich auch beste Wein des ganzen Abends. Stoffig, voller Substanz, mit gezähmter Mineralität. Noch viel zu jung, dürfte er nach ausgiebiger Belüftung ein echtes Trinkerlebnis bieten. Aus dem Betonei (daher auch der schöne Name des Weins) und so gar nicht oxidiert. Gefiel mir deutlich besser als der 2011 Silvaner Eigenart vom Weingut Max Müller I. Der erinnerte mich mit seiner aufdringlichen Vanillearomatik an die weissen Italiener der späten 80-er Jahre, als die Frage "Tischler oder Winzer?" in der Regel zugunsten des Ersteren beantwortet wurde. Die Kategorie 'Silvaner Gereift' war ähnlich zwiespältig. Der Wein machte " ...keinen Spass..." ( habe ich mir so notiert ...), ein anderer war eindeutig eine Auslese, wollte aber nur Qualitätswein genannt werden und war irgendwie nichtssagend. Der 2003 Silvaner VDP Grosses Gewächs trocken, Thüngersheimer Johannisberg vom Weingut Schwab überraschte immerhin mit Kokosmakronen und Stachelbeere in Mund und Nase. 
The Beauty (re.) and the Beast (li.)
War aber ein wenig breit und hatte schon einige Reifetöne. Was mich zur letzten Kategorie bringt. Nobel. Die Silvaner Trockenbeerenauslese 2011 Iphöfer Julius-Echter-Berg vom Juliusspital war genau das. Nobel. Helles Gelb, süße Frucht, Mango, Papaya in der Nase, eine tragende, sehr elegante Säure darunter - wirklich nobel. Aber nicht der Gewinner dieser Kategorie. Ganz oben auf dem Podest stand die 1994er Silvaner Trockenbeerenauslese Flomborner Feuerberg vom Weingut Michel-Pfannebecker. Und liess - nicht nur mich - verzweifeln. Der Wein kam im schönsten Cognac-Kupfer daher, donnerte kräftige Sherrynoten in die Nase und wirkte dank frischer(!) Säure im Mund fast leicht. Aha. So ist also eine Trockenbeerenauslese. Vom Silvaner. Verstehe. Nee, verstehe nicht. Ich bin leidenschaftlicher Trinker gereifter Weine - aber der war für mich einfach drüber. Und es hat sich mir nicht wirklich erschlossen, was daran nun 'Nobel' ist. Aber vielleicht ging es auch eher darum zu zeigen, was Silvaner alles kann. Ich frage mich nur warum. Mit solchen Extremen wird aus dem Silvaner auch kein zweiter Riesling. Und mit Barriqueeinsatz kein zweiter Chardonnay. Lasst der autochthonen Rebsorte Silvaner doch ihre wunderbare Eigenarten. Ihre Frische, die Mineralität, die schönen erdigen Noten, die den Boden so schön widerspiegeln. Denn da stimme ich Arthur Steinmann mal uneingeschränkt zu: "Es ist Zeit für Silvaner!"

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