24.10.13

WEIN AM LIMIT: RIESLING ONLINE MIT HENDRIK THOMA UND FRANK JOHN


Wein trinken allein geht in Zeiten von Weinforen, Weinblogs, Vinocamps und Wein-Onlinehandel gar nicht mehr. Da muss schon mehr passieren um den interessierten Trinker zu locken. Und Wein allein zu trinken, geht sowieso gar nicht. Die Lösung dieses Dilemmas bietet der Sommelier und Weinfachkundige Wahl-Hamburger Hendrik Thoma. Er verschickt Weinprobierpakete per Versand, die dann gemeinsam online verkostet werden. Wein am Limit  heisst dieses Konzept. In der 141sten(!!) Ausgabe dieses Onlinetastings kam Frank John vom Hirschhorner Hof (Pfalz) mit 3 Flaschen seines Rieslings vor die Kamera und teilte der mitsehenden und mitrinkenden Netzweingemeinde einiges über Winzer, Wein und Philosophie mit. Es wurden ausgesprochen kurzweilige 95 Minuten. Live am Rechner!

Erstmal die Rahmendaten:


Hendrik Thoma ist ja kein Unbekannter in der Wein-Szene Deutschlands. Der gelernte Sommelier ist ziemlich umtriebig und immer für einen flotten Spruch zu haben. Was das Trinken mit ihm zu einem kurzweiligen und erkenntnisreichen Vergnügen machen kann. Ich hatte vor Jahren mal das Vergnügen mit ihm persönlich zu trinken (in Hamburg, auf Einladung Dieter L.) und erinnere mich gerne an seinen Spruch vom "Bier nach der Weinprobe". Worauf er ein weiteres meiner mitgebrachten Oberfränkischen Handwerkerbiere köpfte ... Aber genug der Sentimentalitäten. Heute sollte es um die Weine von Frank John gehen, vom Hirschhorner Hof. Nach seiner Zeit auf dem Weingut Reichsrat von Buhl ging der Mann mitsamt Ehefrau 2002 in die Selbstständigkeit um seine eigenen Weine zu machen. Einen Riesling, einen Pinot Noir und einen Sekt. One man, one chateau, one wine, möchte man sagen. Mehr als 25.000 Flaschen sind das nicht in Summe per anno und die sind auch noch ziemlich schnell weg. Vor allem der PN hat nach einem Testsieg den Weg auf die Karten der Spitzengastronomie gefunden und leider nur in geringem Masse in die Keller der Weinaficionados. Gut für Herrn John und sein Geschäft, schlecht für mich. 



Die Teststrecke bei 12°: Riesling 2008, 2010 und 2011


Jetzt an die Gläser! Und die Tastaturen!!

Ich war beim Online Tasting der Weine nicht allein, mit vier Herren und einer Dame wollten wir uns Wein, Winzer und Onlinemedium stellen. Und sind gleich beim ersten relevanten Thema ins Schlingern geraten. Wie kalt soll denn der Wein sein? Zwischen 10° und 12° sind ideal, wurde mal flott aus meiner Tastingrunde postuliert. Und spezielle Rieslinggläser, natürlich! Die ersten Versuchsschlucke zeigten aber, dass ein wenig mehr Wärme (eher 14°) und etwas mehr Luft (Karaffe) dem ersten Wein - Riesling 2008 - sehr gut taten. Also raus mit den größeren Burgundergläsern und rein mit dem Riesling. Die Herren auf der anderen Seite der Mattscheibe waren ähnlicher Ansicht, denn der '08 entpuppte sich als ein ziemlicher Brocken. Gut gereift, fülliger Körper, durch eine feine Säure lebendig und strukturiert. Das Schlagwort "Burgund" machte die Runde. Auch im Netz. Denn neben dem Stream hatten wir auch noch einen zweiten Laptop auf, um via Facebook zu kommentieren und via Postingfuktion auf der Wein am Limit-Seite Fragen zu stellen. Also first, second und third Screen!! Multitasking at it's best, bißchen schwierig nur, dabei das Weinglas nicht umzukippen. Und dabei mit den Postings nicht hinterher zu hinken. Wenn Frank und Hendrik Live etwas sagten, brauchen der Finger auf der Tastatur und das Weltweitnetz mit dem Senden bisweilen etwas Zeit. Da kann die spontan gepostete Reaktion des Zusehers auf facebook, bis sie bei den Beiden in Hamburg auf dem iPad auftaucht, schon ein wenig brauchen. Dieser Timelapse kann zu blöden Reaktionen führen -  ich habe von Hendrik ein böses Gesicht und ein "Nö wirklich..." kassiert, obwohl mein Posting ironisch und im Moment passend war. Shit happens, also halte ich meine Finger zukünftig lieber ein wenig mehr unter Kontrolle... Wir mussten dann aber sowieso erstmal was essen. Käseplatte und Salami. Das war nicht sehr pfälzisch aber irgendwie mörderburgundisch und ging gut zum Riesling '08.



Size matters: Der Live Stream auf dem Wohnzimmer TV


Offline bricht die Hektik aus

Den Käse hätte Hendrik auch gut vertragen - denn Zeit zum Essen hätte er gehabt. Obwohl er ganz sicher nicht auf den Mund gefallen ist - Frank John hatte ein deutliches Plus der Gesprächsanteile. Wir kamen trotzdem zum Riesling 2010. Der uns, vor den Bildschirmen daheim, ein wenig schlanker vorkam. Graziler, nicht so üppig und verständlicherweise auch ohne die Reifenoten des '08. Im direkten Vergleich dieser beiden Weine lag er bei uns vorne. Wenn man denn von 'vorn' oder 'hinten' sprechen möchte. Denn wie sagte Frank so schön: Es geht nicht um besser. Das ist wie bei den eigenen Kindern. Sind alle unterschiedlich, aber werden trotzdem durch die Bank geliebt. (Das war jetzt eine sinngemässe Zusammenfassung, d.A.)
Obwohl die Weine eine große Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen, wurde es in meiner Verkostungsgruppe ganz schön hektisch zwischen Glas, Flasche, Bildschirm, Tastatur und Käse. Auf Facebook posten, inne Glotze gucken,"WO IST DENN DAS STROMKABEL WIR HABEN KEINEN SAFT MEHR !!!!", zwischendurch auch mal Wein trinken, Selen (siehe Foto unten) via Bildschirm zuprosten, La Ola Welle initiieren ("Deine Frage kam gerade Harald!!!") und wo ist eigentlich das Glas, Zefix. Moderne Zeiten. Ein Mitglied meines Teams hatte da immer noch nicht so ganz begriffen, warum auf meinem Facebook Account nicht der Stream läuft, aber Hendrik die Kommentare vorliest. Schon irre dieses Internetz.



Durchblick: Selen hatte die Postings im Blick


Ruhe nach dem Sturm

Aber dann kam ja der 2011 und es wurde irgendwie ruhiger. Auf dem Schirm, weil Frank und Hendrik auch schon den einen oder anderen Schluck hinunter gespült hatten, vor dem Schirm sowieso, weil wir ja vor der Probe auch schon kalibriert hatten. Aber zum '11er: Dem Jahrgang geschuldet war hier einfach mehr Material im Mund, richtig buttrig (Hendrik), aber nicht fett, nur gehaltvoll. Da sind neben Frucht, Säure und Glycerin auch noch ein paar Ecken und Kanten, die aber mit der Zeit verschwinden dürften. Insgesamt der Wuchtigste der 3 Weine. Und ein sicherer Wert im Keller für die nächsten 10 Jahre. 
So. Und dann waren über anderthalb Stunden rum. Viel gelernt, viel gelacht, gar nicht mal viel getrunken, den armen Boogy komplett vergessen ( ...'tschuldigung) ... und fest geplant: das machen wir mal wieder. Nicht nur weil es unterhaltsam war - nein, mit einem Winzer zur Seite läuft Hendrik erst zu richtiger Form auf. Es macht insgesamt die Weine nachvollziehbarer, man versteht viel besser die Beweggründe hinter dem Wein. Das lässt sich sonst nur mit persönlichem Erscheinen auf dem Weingut erreichen. Und da ist diese Online Nummer doch effektiver und wirtschaftlicher. See you next time, folks!

Wer die Sendung noch mal ansehen möchte: Hier

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