23.02.16

SLOW WINE RARITÄTENVERKOSTUNG: MEHR FRAGEN ALS ANTWORTEN


Slow Wine ist ein weiterer Ableger der Slow Food Bewegung, einmal im Jahr zeigen die Damen und Herren mit der Schnecke auch Flagge in Deutschland. In München präsentierten 50 WinzerInnen rund 150 Weine, allesamt mit dem Segen der Slow Wine Organisation versehen. Begleitend gab es auch noch eine kleine Raritätenverkostung. Und die warf doch einige Fragen auf. Nach dem Stand der Dinge im Weinland Italien. Und nach dem Sinn eines Slow Food Weines.


Dreißig Plätze gab es für die Raritätenverkostung, der Andrang war groß, es gab eine Warteliste, scheinbar jeder weinaffine Mensch der selbsternannten nördlichsten Stadt Italiens wollte dabei sein. Klang ja auch zu verlockend, 15 rare Weine, aus Magnum oder Normalflasche, aus ganz Italien, Jahrgänge bis ins Jahr 2000 zurück. Und auch der Ort war mit Sorgfalt gewählt: Das vor kurzem eröffnete eataly in der Schrannenhalle ist die neue Zentrale für die Italophilen der Stadt. Präsentiert wurden die Weine von Lokalmatador Carlo Franchi und Mastersommelier Hendrik Thoma. Das Setting also erlesen, die Liste der Weine las sich ebenso. 

Der Einstieg ins Geschehen mit dem 2010 Puntay Sauvignon Blanc von der Erste+Neue aus Südtirol machte mit sortentypischer Nase, etwas breiteren Hüften und feiner Reifenote auch richtig Spass. Die frische Säure sorgte für Trinkfluss. Auch der nächste Weisse, ein Vitovska Bianco von Skerk aus 2007, sorgte für Trinkfreude. Zart nussig in der Nase, aromatisch üppig, mit zarter Restsüsse, die dem auf der Maische vergorenen Wein richtig gut stand. Der letzte Weißwein, Salmariano Verdiccio Riserva 2007 von Marotte Campi, war mir mit fast 15° Alkohol dann doch ein wenig zu fett. Und die 15 Tage Maischestandzeit waren in der Nase überdeutlich zu riechen. Interessant - ja, Genuss - naja …


Das war aber nur die helle Ouvertüre zu einer ganzen Reihe von nicht wirklich überzeugenden roten Weinen. Ich weiss nicht, was in Italiens Kellereien und Weinbergen so getrieben wird, ich bin da praktisch nicht mehr auf dem Laufenden. Aber wichtig war ja schon immer im Glas. Und da fand ich die meisten der Weine mastig, überreif und ausgelaugt. Vor allem viel sehr - wirklich sehr, sehr - reife Frucht und harte, bisweilen grüne Tannine zeichneten die Weine aus. Ein Barbaresco Riserva aus 2006, dessen Rand schon von deutlichen Brauntönen gezeichnet war, oder ein weiterer Barbaresco aus 2000 der wie eingekochte Erdbeermarmelade roch - das kann doch nicht im Ernst gewollt sein? Ich behaupte mal, da wurde um der schnellen Akzeptanz willen, so reif wie möglich geerntet, um maximalen Extrakt in die Flasche zu bringen. Das schmeckt schnell nach viel Wein, lässt sich mit einem flotten „ … der wird in 5 Jahren … „ toll verkaufen und überzeugt bei der Jungweinprobe. Reifen kann sowas aber eher nicht, wie sich zeigt. Das wird im Alter brandig, unharmonisch, häufig steht die Säure, neben allen anderen Elementen, verloren in der Gaumengegend rum und die Tannine bleiben hart und grün wie am ersten Tag. Soll das so? Ehrlich - dann mag ich das nicht … Und mit Slow hat es auch nicht wirklich etwas zu tun. Denn für eine lange Lagerung - also deutlich mehr als 10 Jahre - sind diese Weine fast alle nicht gemacht. Jedenfalls schmecken sie nicht so, als ob eine weitere Lagerung ihnen gut tun würde, eher im Gegenteil. Viele hätten schon vor 3 bis 5 Jahren getrunken sein sollen. 


Und wenn wir schon dabei sind: Kann man mir mal erklären, warum in Italien mittlerweile fast überall Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot angebaut werden, um daraus Bordeaux Cuvées zu kreieren? Und warum das auch noch mit dem Slow Wine Siegel versehen wird? Ich erwarte unter dem Slow Food Label autochthone Rebsorten, ich will Corvina, Uva di Troia und Perricone im Glas - echte, eingeborene Italiener eben. Und ins Barrique gehören die eigentlich auch nicht. Sind doch keine Franzosen. Natürlich weiss ich auch, dass die Welt sich weiter dreht und der Markt internationale Rebsorten und Geschmackskreationen fordert, dass der Ausbau im Barrique überall auf der Welt mittlerweile Standard, oder zumindest bekannt, ist. Aber doch nicht unter dem Slow Wine Logo! 


Wenn ich aus den ganzen Roten einen Wein positiv herausstellen sollte, dann den 2009 Roggio del Filare von Velenosi. Ein Rosso Piceno Superiore, mit ein bißchen Schweiss in der Nase, komplex und gut ausbalanciert im Mund, das Holz gut eingebunden, schöne Länge. Und natürlich lag der im Barrique … ach, ich weiss doch auch nicht! 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

witzig hätte aktuell Weine aus den 2000er Jahren nun wirklich nicht als Rarität betitelt…. Wenn ein 07er jetzt schon nicht mehr schmeckt, war er auch 09 schon nicht mehr der burner ……

Andreas März hat gesagt…

Hallo Du! Ich bin Dir dankbar für diesen puristischen Beitrag! Tja die Messe hatte es in sich, es meint nix. Das Rezept Thoma X chice Location X seltsame Weine geht nicht mehr auf schon gar nicht mit Italien. Als SlowFood Mitglied war ich besonders schockiert über die Auswahl der Location seelenlos und fast. So kann es wohl benannt werden die neue Schranne und das SlowWine-Konzept ist doch mittlerweile recht billig, nach gutem Start, weil sich slow&fast gemeinsam wieder darunter zu tümmeln versuchen ohne klare Kriterien. Gambero Rosso Due? In Italien kann ich m.E. konsequenterweise nur noch innovativen Winzern mit autochthonen Rebsorten nachspüren alles andere ist Zeitverschwendung für wirklich gute Weine.