01.11.15

PANETTONE: MEHR ALS NUR EIN KUCHEN


Wer in der Vorweihnachtszeit, in München lebend, bei "seinem" Italiener Essen geht, oder im italienischen Supermarkt einkauft, wird in der Regel mit einem kleinen Panettone beglückt. Das mag beim ersten Mal noch eine Freude sein, und man versucht dem weihnachtlichen Gebäck etwas Kulinarisches abzugewinnen. Bei allen weiteren Beschenkungen wandert der Karton samt Inhalt in den Vorrat und fristet ein einjähriges Schattendasein um beim Eintreffen des Nachfolgers entsorgt zu werden. Voreilig, wie sich zeigen wird.


So langsam muss man sich mit dem Thema „Weihnachten“ wohl auseinandersetzen. Noch 8 Wochen oder so und der Wahnsinn nimmt seinen jährlichen Lauf. Als reiferer Mensch fängt man klugerweise ein paar Tage vorher an, sich zu überlegen welche Geschenke es zu besorgen gilt, es werden Zeitpläne geschmiedet und sich um das Menü gekümmert. Beim Stöbern nach den üblicherweise zum Einsatz kommenden Dekorationsartikeln, fiel mir eine kleine Packung Panettone in die Hand. Dieser italienische Weihnachtskuchen fristet in Deutschland ein karges Dasein als Dreingabe beim Einkauf im italienischen Supermarkt, wird in der Regel irgendwo vergessen, entsorgt und mit keinem Wort in einen höheren kulinarischen Zusammenhang gestellt. Trocken, süss, bröselig. Weg damit. Abgelaufen, last-years-model. Aber irgendwie packte mich die Experimentierlust, wegwerfen ist ja auch keine wirkliche Alternative. Aber was macht man mit so einem trockenen Süssgebäck? Vielleicht hilft ja ein Blick auf das Zutatenblatt. Neben Mehl, Zucker und Backtriebmittel sind vor allem Rosinen und Zitronat im Kuchen. Süss und Fett beträgt sich gut - von den Folgen für die Hüften wollen wir einmal absehen - und eine kleine Dose Foie gras gehört zur Standardausstattung meiner Vorratskammer. Warum nicht kombinieren?  Also wird eine Zwiebel geschält, in feinste Streifen geschnitten und ein ein wenig Butter glasig gedünstet. Auch im Bestand ist ein Rest Muscat des Rivesaltes, ein weisser Süsswein, der mit einer Prise Salz, etwas Essig und zwei Drehungen aus der weissen Pfeffermühle zu den Zwiebeln kommt und ein kleines Zwiebelconfit ergibt. 


Der Panettone wird in 1,5 - 2 cm breite Scheiben geschnitten und einfach getoastet, die Foie gras aus ihrem Blechkleid befreit und ebenfalls in Scheiben geschnitten. Alle drei Elemente aufeinanderlegen. Und um der Reichhaltigkeit der kleinen Kalorienbombe etwas entgegenzusetzen, auf einem kleinen Salat serviert. So geht das als feine Vorspeise durch. 

Was soll ich sagen: Die Verbindung von knusprig-süss (Panettone), schmelzend-zart (Foie gras) und herzhaft-fein säuerlich (Zwiebelconfit) ist vortrefflich, da kommt zusammen was nie zukommen sollte. Und macht richtig Laune. Problem nur: Der Panettone war ein Mini-Exemplar, die Dose Foie gras auch eher ein Döschen. Weshalb der Spass mit 6 Happen vorbei ist. Aber man kann ja mal versuchen, das Ganze mit einem großen Panettone und nicht abgelaufen zu machen. Vielleicht dieses Jahr an Weihnachten?


Kommentare:

Felix hat gesagt…

Das hört sich ja allerköstlichst an!
Ein Italiener (Grosshandlung) hat wohl nächstens Panettone im Angebot, für die Foie gras müsste ich mich allerdings mit meiner (nicht zu verachtenden) Geflügelleber-Mousse behelfen (siehe auf meinem Blog: Rezepte A–Z) und ein Zwiebel- oder Schalotten-Confit kann ich auswändig!
Danke für diese wunderbare Inspiration,
FEL!X

Anonym hat gesagt…

Hallo Harald,

Auf diese Anregung hin habe ich mir gerade im Eataly zwei kleine Panettone geholt. Foie gras gehört zur Grundausstattung.
LG Annette