28.08.15

WEINRALLYE #89: SOMMERLAUNE ROSÉ

Wenn Du weisst, wie die Massen ticken, kannst Du mit relativ einfachen Mitteln Großes erreichen. Und relativ Einfaches groß erscheinen lassen. Bestes Beispiel dafür ist der Rosé der Domaine Miraval. Denn der bessere Miraval - ist der Mira Luna. Der auch mal ein Miraval war. Klingt verwirrend? Nö. Ist nur ein bißchen kompliziert …


Ja, ja, ja. Über den Rosé Miraval ist schon alles gesagt. Denn wer in den letzten Jahren über Rosé Weine geschrieben hat, kam an diesem Wein ganz sicher nicht vorbei. Der Miraval von Angelina Jolie und Brat Pitt, produziert in Zusammenarbeit mit dem legendären Châteauneuf-Haus Perrin (Beaucastel), wurde von so ziemlich jedem Weinliebhaber, Händler und Blogger probiert, kommentiert, bewertet und geposted. Und deswegen sage ich jetzt nichts dazu. Denn soviel mediale Präsenz hat dieser Wein eigentlich wirklich nicht verdient. Ausserdem: Viel spannender ist die Geschichte hinter diesem Wein. Verbunden mit der Frage: Warum Miraval und nicht Mira Luna? Also mal von vorn.



Die Domaine Miraval stammt aus dem 17. Jahrhundert, liegt im Herzen der Region Var und ist mit Sicherheit eine der schönsten historischen (Wein-)Gutsanlagen der Provence. Die historischen Gebäude, von 300 Hektar Wald und Weinbergen umgeben, wurde über Jahrzehnte immer wieder untervermietet. Vor allem Rockbands wie Pink Floyd, The Cure, Muse, Sade oder Oasis hatten das Anwesen gemietet - ein Tonstudio gibt es seit 1977 nämlich auch auf dem Gut -  um zu komponieren, aufzunehmen oder sich mit legalen und illegalen Stimulanzien eine nette Zeit zu machen. Eingebaut wurde das Studio übrigens vom damaligen Besitzer, Jacques Loussier, dem legendären französischen Pianisten und Arrangeur. Das Traumobjekt stand dann zum Verkauf und wurde 1992 vom amerikanischen Industriellen Tom Bove erworben. Er hatte weniger Interesse am Studio, aber machte die Weine von Miraval international bekannt. Und weil ihm die Provence so gut gefiel, kaufte er 1999 auch noch das Château La Mascaronne. 2008 mieten dann Brad und Angelina die Domaine Miraval, einige Jahre später kauften sie das ganze Anwesen. Fast das ganze Anwesen. Denn hier beginnt die Geschichte des Mira Luna.

Der gute Tom Bove hat nämlich nicht die ganze Domaine verkauft. Klar, Gebäude, Pool und Studio gehören jetzt Brangelina. Auch die meisten Weinberge - die beiden haben sogar kräftig dazu gekauft. Aber das Filetstück der gesamte Anlagen mit dem Namen Château Mira Luna hat der clevere Tom Bove behalten. Die 17 ha sind nicht übermäßig viel, aber die Syrah und Mourvedre Reben sind ziemlich alt. Und Tom kennt praktisch jede einzelne mit Vor- und Familiennamen. Aus diesem kleine Schatz von Château entsteht jetzt sein Mira Luna, sozusagen der einzig wahre Miraval. Denn wenn man die alten Miraval-Weine von Tom kennt, ist man vom aktuellen Miraval schon ein wenig enttäuscht. Die Tiefe im Geschmack, diese perfekte Balance zwischen Frucht und Mineralität, sorry Brangelina, da seid ihr, bzw. euer Miraval, noch nicht. Vielleicht auch, weil die Trauben aus dem Château Mira Luna fehlen? 



Sei’s drum. Lediglich 4.000 Flaschen hat Tom in diesem Jahr (2014) von seinem Mira Luna auf den Markt gebracht. Und die mussten verständlicherweise zugeteilt werden. Denn dieser Stoff ist wirklich großartig. Da ist in der Nase - dank der Syrah - die komplette Palette frischer roter Beeren zu riechen, vor allem Himbeere und Johannisbeere, dazu etwas weißer Pfirsich. Die Mourvedre sorgt für mineralische Strenge, gibt Kraft und Rückgrat. Der Mira Luna macht einfach irgendwie alle Weintrinker glücklich: Den ‚Analysten‘ genauso wie den ‚Schlucker‘, denn Komplexität und Trinkfreude vereinen sich hier nahezu perfekt. In Deutschland hat nur ein Händler diesen  Wein, das wird wohl - sagt Tom Bove - auch in Zukunft so bleiben. Wer keinen Mira Luna abbekommen hat, kann zur ‚Not’ auch auf seinen Mascaronne zurückgreifen. Der ist nämlich auch nicht von schlechten Eltern. Tom glaubt sogar, dass er irgendwann aufgrund des besseren Terroirs, besser als der Mira Luna sein wird. Und damit natürlich auch besser als der jetzige Miraval. Die Geschichte von Brad, Angelina, Tom und den Rosés bleibt also spannend. Und bringt für alle was zum Schreiben und Trinken. 



Kommentare:

Stef hat gesagt…

Sehr informativ und, was die Qualitätsurteile angeht, sehr zutreffend! Ergänzen könnte man höchstens noch, dass vor diesem Hype um den Rosé der mittlerweile doch fast zur Fabrik gewordenen Perrins für Miraval eigentlich immer die bemerkenswert dichten und geschliffenen Weine aus der "Rolle" (dem italienischen Vermentino) standen. Die konnten, von Kellermeister Robert Nourisson, mit Unterstützung durch Emmanuel Gaujal mit Sorgfalt betreut, in guten Jahren wirklich einsame Klasse sein. Die Rosés sind es dagegen definitiv nicht. Bei denen hat aus meiner Sicht den eigentlichen Respekt doch eher das Marketing verdient.

Stef hat gesagt…

Sehr informativ und, was die Wertungen angeht, überaus zutreffend! Ergänzen könnte man höchstens, dass vor dem merkwürdigen Hype um den Miraval-Rosé der doch schon etwas zur Weinfabrik gewordenen Perrins das Gut früher unter der Stabführung von Kellermeister Robert Nourisson und Emmanuel Gaujal für oft exzellente, kraftvoll-federnde, schmelzige Weine aus der Rolle (ital. Vermentino) stand. Und bei den Musikern hätten vielleicht auch Stéphane Grapelli, Stevie Winwood, Brian Ferry und AC/DC eine Erwähnung verdient. Bekanntlich lauter Freunde des Rolle...

Stefan Krimm hat gesagt…

Sehr informativ und, was die Wertungen angeht, überaus zutreffend! Ergänzen könnte man höchstens, dass vor dem merkwürdigen Hype um den Miraval-Rosé der doch schon etwas zur Weinfabrik gewordenen Perrins das Gut früher unter der Stabführung von Kellermeister Robert Nourisson (mit Unterstützung durch Emmanuel Gaujal) für oft exzellente, kraftvoll-federnde, schmelzige Weine aus der Rolle (ital. Vermentino) stand. Bei den Musikern hätten vielleicht auch Stéphane Grapelli, Stevie Winwood, Brian Ferry und AC/DC eine Erwähnung verdient. Bekanntlich lauter Freunde des Rolle…