03.06.14

RÜHREI ODER DÖRREI: DA HILFT NUR RÜHREN

Wenige Dinge werden aus meiner Sicht so lieblos behandelt wie die 'geschissene Gottesgabe', das Ei. Das fängt bei der Haltung der Hühner an und endet bei der Zubereitung. Wer etwas häufiger auf Reisen is(s)t, kennt von den Frühstücksbüffet dieser Welt vor allem das Rührei als trocken gewordene Respektlosigkeit gegenüber dem Ausgangsprodukt.


Das Einfache ist ja, wie das Leben täglich lehrt, häufig genug das Schwierigste. Was die Angelegenheit richtig perfide macht: Häufig fällt es einem noch nicht einmal mehr auf. Um das krypteln zu beenden: Mir geht es um das Rührei. Das fristet nämlich nicht nur in Hotels rund um den Planeten Erde ein bemitleidenswertes Dasein. Die Dörreier die auf den Frühstücksbüffets knubbelig blassgelb unter Wärmelicht liegen und in ihrer staubtrockenen Konsistenz an alles erinnern, aber nicht an eine geschmackvolle oder sogar gaumenkitzelnde Freude, sind der blanke Hohn für jeden Liebhaber guter Eierzubereitungen. Und haben in dieser Form auch in so manchen privaten Haushalt Einzug gehalten. Um diesem unwürdigen Treiben ein Ende zu bereiten, soll es heute ein Rührei geben. Eines, das mit seiner cremig-sahnigen Konsistenz den Gaumen umschmeichelt, das würzig und zart gleichermaßen ist, das einfach eine Zierde jeden Frühstücks ist. Oder auch als kleiner Mittagsimbiss Wonne spendet.



Also werden zwei Eier pro Person in den Topf gegeben. Dass aus meiner Sicht dafür AUSSCHLIESSLICH Eier von glücklichen Hühnern in Frage kommen, dürfte keiner gesonderten Erwähnung bedürfen. Ich mache es trotzdem. Sicher ist sicher. Zu den beiden aufgeschlagenen Eier kommt ein Stich Butter, ich schätze mal es sind 10 - 15 Gramm. Jetzt wird die Hitze eingeschaltet, bestenfalls mittlere Temperatur. An meinem Herd gibt es sieben Hitzestufen, ich arbeite mit Stufe 2. Außer dieser moderaten Hitze ist nur noch eines von Nöten: Ein Holzlöffel. Und dann heisst es - Rühren, rühren, rühren! Diese Tätigkeit gab dem Gericht wohl seinen Namen, wie ich vermute. Wird aber eher selten auch so gemacht. Das Ei sollte niemals anfangen zu stocken, es sieht minutenlang wie eine gelblich Eisuppe aus, was da im Topf schwimmt. Gut so. Ganz langsam, nach einigen Minuten(!!) kontinuierlicher Rührenbewegungen fängt die Ei-Butter-Masse an zu binden und etwas zähflüssiger zu werden. Ganz kleine, etwa Reiskorn große Gebilde sind noch zu akzeptieren, ab Olivengrösse war die Hitze zu gross. Wenn das Ei beginnt am Kochlöffel haften zu bleiben gebe ich ca. 15 - 20 Gramm geriebenen Bergkäse in den Topf. Der sorgt zum einen für Geschmack durch das enthaltene Salz, zum anderen für eine weitere Unterstützung der Cremigkeit. Wenn der Käse geschmolzen ist und das Rührei geschmeidig und wirklich cremig ist, kann serviert werden. Mit ein wenig Pfeffer - wer mag - oder etwas Salz - je nach Salzigkeit des Käses - kann nachgewürzt werden. Fertig. Mit einem Schnittlauchbrot der perfekte Mittagsimbiss. Und jeder der einmal so ein cremiges Rührei auf der Gabel hatte wird verstehen, warum mich der Furor im Angesicht der Dörreier in Hotels ereilt hat.

P.S.: Wenn der Schnittlauch direkt vor dem Servieren in das Rührei gerührt wird, ist selbiges auch ein hervorragender Begleiter zum Spargel!














1 Kommentar:

Turbohausfrau hat gesagt…

Nun weiß ich endlich, was das Geheimnis des deutschen Rühreis ist. In Österreich sind wir ja meistens die Stocken-Lasser und nicht die Rührer. Ich muss einmal eure Eivariante testen.