04.05.14

SCHATZSUCHE IM VORRATSSCHRANK: CUCINA POVERA


Blog-Event XCVIII - Schatzsuche im Vorratsschrank (Einsendeschluss 15. Mai 2014)Ich stehe zu meinen Schwächen. Das 'Nicht-wegwerfen-können' von Lebensmitteln gehört dazu. Vor allem getrocknete Hülsenfrüchte können gar nicht so alt sein, dass ich sie entsorgen würde. Wahrscheinlich stösst irgendwann ein Archäologe in meinem Vorratsschrank auf Bohnen, die noch von den Assyrern zwischen Euphrat und Tigris geerntet wurden. Ein guter Anlass da mal ein wenig Luft zu schaffen, bot mir der Blogevent 'Schatzsuche im Vorratsschrank'. Also ran an Linsen, Bohnen, Grünkern und Steinpilz. Und mal wieder richtige Cucina Povera auf den Tisch bringen! 

Das gerät zwischen Fusion-Küche, Molekular-Espuma und Flechtenlutschen für mich immer ein wenig zu kurz. Die klassische italienische Armeleute Küche, die Cucina Povera. Die für mich aber ungeheuer zeitgemäß ist - wenig Fleisch, viel Gemüse, kaum Fett, mäßig Kohlehydrate - und nichts wegwerfen. Kommt meinen Ernährungsgewohnheiten sehr entgegen. Und das Allerbeste: Man muss sich nicht sklavisch an Rezepte halten. Lust, Laune, Kreativität und Verfügbarkeit bestimmen was nachher auf dem Teller ist. 
Also habe ich im Vorratsschrank gewühlt und gefunden. Weisse Bohnen, getrocknete Steinpilze, Linsen und Grünkern. Als erstes habe ich die weißen Bohnen eingeweicht. Über Nacht. Genau wie die getrockneten Steinpilze. Das waren die Vorbereitungen.


Dann ging es ans Gemüseschneiden. Alles was ich so im Gemüsefach des Kühlschranks gefunden habe. Zwiebel, Lauch, Sellerie, Karotte, Petersilienwurzel. Immer nur so ca. 50 - 70 Gramm. Damit nichts die anderen Zutaten überdeckt. Eine Dose Tomate war auch noch da, diesmal als gehackte Variante, ganze Tomaten und die klein hacken geht genauso gut. Olivenöl, altes Brot, eine Knoblauchzehe, ein paar gekochte Kartoffeln vom Vortag. Lauter Schätze - müssen alle mit! 
In einem kleinen Topf habe ich die eingeweichten weissen Bohnen leise köcheln lassen. Solange bis sie weich sind. Was entscheidend davon abhängt, in welchem Jahrhundert sie geerntet wurden. Je älter, desto länger einweichen und kochen. Die gekochten Bohnen sollten wirklich weich sein, aber noch nicht auseinander fallen. Ein paar Esslöffel nehme ich aus dem Topf und stelle sie beiseite. Den Rest der Bohnen habe ich mit dem Kochwasser püriert. Sieht dann so aus wie eine Sahnesuppe. In einem größeren Topf das Olivenöl erhitzen. Erstmal den Grünkern rein und ein wenig anrösten. Er soll nicht braten - nur im heissen Öl ein wenig baden. Die Linsen kommen auch dazu. Zwei Tassen Wasser dazu und ca. 30 Minuten sanft kochen lassen. 


Das Einweichwasser der Pilze in den Topf geben, das ganze geschnittene frische Gemüse, die Steinpilze, die zur Seite gestellten Bohnen. Eine kleine Dose Tomaten - hinein! Mit soviel Wasser auffüllen, das alles geradeso bedeckt ist. Die Chili drüberbröseln, ein Teelöffel Meersalz, die Fenchelsamen. Durchrühren, köcheln lassen. Ach ja, die pürierten Bohnen müssen auch noch mit rein. 


Der ganze Topf darf jetzt eine gute halbe Stunde dahinköcheln. Die Gemüse sollten alle gar, aber nicht matschig sein. Die gekochten Kartoffeln habe ich deshalb auch erst kurz vorm Servieren reingegeben. Ein bißchen abgeschmeckt mit Pfeffer und Salz habe ich dann auch noch. Das Brot habe ich im Toaster schön braun geröstet, mit einer Knoblauchzehe eingerieben in Suppenteller gelegt und mit bestem Olivenöl beträufelt. Und mich wahnsinnig beherrscht, es nicht gleich so zu essen. Die Kombi aus geröstetem Brot, Knoblauch und Öl ist für mich ein absoluter 'Reinbeisser' ....


Den Eintopf habe ich auf das Brot gegeben, hätte ich Petersilie gehabt wäre die auch noch drüber gekommen. Aber ein weiterer Schuss Öl musste doch noch drauf. Und den zweiten Teller habe ich nach dem selben Verfahren gestaltet. Denn bei einem ist es nicht geblieben. Dafür ist diese Gemüse-Olivenöl-Brot Suppe einfach zu lecker. Echtes Soulfood, dass den feuchten Maianfang vergessen lässt. 



Wer sich für das genaue Rezept interessiert findet es hier: Schatzsucher Eintopf. Und wer mag sollte mal beim Blogevent vorbeischauen ... Schatzssuche macht immer Spass! 


Blog-Event XCVIII - Schatzsuche im Vorratsschrank (Einsendeschluss 15. Mai 2014)

Kommentare:

Susanne hat gesagt…

Viiiiel besser als Flechtenlutschen :-)
Und mein Vorratsschrank gibt selbstverständlich alles her, um so eine Suppe auch kochen zu können. Danke Für's Mitmachen.

Sabine hat gesagt…

Klingt wirklich gut! Interessant, dass der Eintopf mit den pürierten Bohnen nicht cremiger wird - auf dem letzten Bild wirkt die Flüssigkeit sehr klar. Oder täuscht das?

Harald Scholl hat gesagt…

Hallo Sabine,

im Prinzip hast Du sicher recht - aber durch die Steinpilze, bzw. deren Einweichwasser war der ganze Eintopf so dunkel, dass die weissen Bohnen das auch nicht mehr rausgerissen haben. Das bekannte Phänomen: Optik und 'Leckerfaktor' verhalten sich umgekehrt proportional ...